Wenn das Impediment den ScrumMaster entfernt – Wie weit bist du bereit zu gehen?

Wallace

Namenhafte ScrumPioniere sagten einmal, der ScrumMaster müsse bereit sein, seinen Job oder seine Beauftragung zu riskieren, um die nötige Veränderung im Sinne der Vision voran zu treiben.

Auch deshalb lohnt sich für Projektleiter oder Manager oft der Einsatz von externen ScrumMastern. Denn, und das ist eine Hypothese

  • Sie haben mehr Mut
  • Sie „müssen“ nicht vom Vorgesetzten im Projektumfeld „geliebt“ werden
  • Ihre Karriere im Unternehmen hängt nicht vom Handeln ab
  • Sie bringen einen frischen Blick mit in das Unternehmen
  • Sie bringen externe Erfahrungen und „good practices“ mit in das Projekt ein.

Es hat also Vorteile, einen externen Berater als ScrumMaster oder agile Coach zu beauftragen. Natürlich ist das die rein positive Sicht auf solch eine Entscheidung.

Heute soll es sich, wie in der Überschrift schon erwähnt, um die Frage drehen:

„Wie weit würdest du gehen?“, um agile Prinzipien und Werte oder gar menschliche zu schützen. Wie weit würdest du gehen, um nötige Veränderungen, die für ein Projektgelingen sein müssen, voranzutreiben?

  • Würdest du deine Beauftragung riskieren?
  • Wie würdest du in Bezug auf diese Frage handeln, wenn ein „nicht handeln“ bedeuten würde, dass du auch deine Werte verletzen würdest und am Ende vielleicht nicht mehr so recht in den Spiegel schauen könntest?
  • Was passiert, wenn nichts passiert?

 Zumindest die letzte Frage kann ich, wenn auch etwas verallgemeinernd, beantworten.

Ein ScrumMaster, der in Sachen Impediment nicht handelt, muss sich über kurz oder lang die Frage gefallen lassen, ob er denn seinen Job richtig macht. In meiner allerersten Beauftragung eines Schweizer Großprojekts der MedTech Branche ist mir genau das passiert und aus heutiger Sicht behaupte ich:

„Wenn das passiert, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, denn wahrscheinlich ist schon ein recht langer Zeitraum vergangen bis jemand sich durchringen konnte, dir diese Frage zu stellen.“

Sei also mal ganz ehrlich mit dir allein und beantworte dir zunächst im Stillen folgende Fragen:

  • Wo und in welchen Zusammenhängen wartest du schon zu lange ab?
  • In welchen Zusammenhängen lässt du im Grunde nur noch das Prinzip Hoffnung walten?
  • Was wärest du gern einfach los, was sich aber sicher nicht von allein und durch Aussitzen löst?
  • Ist es möglich, dass sich bereits jemand wundert, dass du keine Schritte zur Lösung eines Konflikts oder Impediments gehst?
  • Ist dir deine Rolle oder Beauftragung wichtiger als das Wohl des Teams oder der Erfolg des Projekts?

Mein erster ScrumTrainer und ehemaliger Lead „Boris Gloger sagte einmal:

„Ein guter ScrumMaster muss mindestens einmal aus einem Projekt geflogen sein, wenn er seine Rolle ernst nimmt und entsprechend ausfüllt“

Ich kann etwas damit anfangen, bedeutet es doch eventuell, sich mit einer Dunkelziffer an Projektbeteiligten auseinanderzusetzen, die wie in jedem anderen Kontext auch – und so viel ist mittlerweile durch Experten erwiesen – narzisstisch oder gar psychopathisch, also „Empathie Frei“ und manipulativ auftritt, um die eigene Agenda und Karriere maximal durchzusetzen.

So viel sei vielleicht noch als Anregung bemerkt. Wenn du merkst, dass du nicht mehr einfach nur zuschauen kannst, so solltest du handeln. Komme, was wolle. Am Ende ist es deine Aufgabe, als ScrumMaster das Team zu schützen und alles Nötige zu entfernen, das den Projekterfolg be- oder verhindert. Nicht darf es jedoch sein, dass man dir nachsagt, du hättest nur zugeschaut. Frage dich vielleicht einmal :

  • Was würdest du tun, wenn es keine Angst gäbe?
  • Was würdest du tun, wenn Geld für dich keine Rolle spielen würde?
  • Was würdest du tun, wenn deine Karriere ungefährdet bliebe?
  • Und wer würdest du sein, wenn du für niemanden jemand sein müsstest?

Abschließend möchte ich einen für mich passend Vergleich zum schottischen Freiheitskämpfer William Wallace herstellen, den viele von uns aus dem Filmklassiker Braveheart kennen und der für das „Prinzip Freiheit“ sein Leben riskiert und verloren hat.

William Wallace war es, der sagte:

„Sie können uns unser Leben neben, nicht aber unsere Freiheit. Dein Herz ist bereits frei. Habe also den Mut ihm zu folgen, solltest du auch dein Leben lassen“

 Dies lässt sich ganz wunderbar auf die ScrumMaster Rolle übertragen.

Wie weit würdest du für die Einhaltung von Prinzipien und Werten gehen?

 

 

 

 

 

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Keine Angst! Der tut nix!

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Heute möchte ich über ein Phänomen schreiben, dass mit der Rolle des ScrumMasters scheinbar untrennbar einhergeht. Nämlich die Frage:

Was macht der eigentlich den ganzen Tag? Der entwickelt doch nicht!“

Oft ist das Kind aus meiner Sicht schon in den Brunnen gefallen, wenn es zu dieser Frage kommt. Der neue ScrumMaster hat eine gewisse Karenzzeit, wie ich sie gerne nenne. In dieser erhält er einen Vertrauensvorschuss vom Vorgesetzten oder Auftraggeber und kann mehr oder weniger tun, was er will. Dieser geschützte Zeitraum variiert natürlich in seiner Länge abhängig von verschiedensten Faktoren. Der ScrumMaster solle sich nur bewusst sein, dass unangenehme Fragen nicht sofort gestellt werden, sondern erst nach reiflicher Überlegung. Insbesondere die Frage danach, was er denn den ganzen Tag so tue. Selbst wenn er nun fleißig wie kein zweiter ist, sein Tun jedoch nicht sichtbar macht, so wird irgendwann – und das sehr oft- oben genannte Frage laut. Ein erster Rat für die neuen Kollegen lautet also eindeutig:

Mache immer und sofort sichtbar, woran du arbeitest und das ständig und ungefragt. Die anderen Teammitglieder informieren immerhin im Daily auch auf täglicher Basis, woran sie gerade arbeiten. Am dienlichsten ist dazu aus meiner Sicht ein ScrumMaster Bord an der Wand. Für jeden ersichtlich. Darüber hinaus kannst du ungefragt zum Wochenende die Projekthighlights, neue Impediments und Learnings aus der Woche in einen Newsletter schreiben und diesen an einen Kreis deiner Wahl versenden. Alles nach dem Motto: Sichtbarkeit schafft Vertrauen.

Das Phänomen „Was tut der eigentlich den ganzen Tag“ hat aus meiner Sicht mittlerweile eine ganze Branche dazu gebracht, die Rolle des ScrumMasters nicht mehr für so wichtig zu halten. Immer wieder hört man Aussagen:

  • Ein ScrumMaster kann mehrere Teams übernehmen
  • Ein ScrumMaster in Teilzeit reicht uns
  • Der ScrumMaster kann ruhig überwiegend remote arbeiten
  • Die Aufgaben des ScrumMasters kann ein anderer zusätzlich übernehmen

Mit meinem heutigen Beitrag möchte ich einen Teil dazu beitragen, diesem Trend entgegenzuwirken. Schon in der Vergangenheit schrieb ich über den Nutzen eines Vollzeit ScrumMasters. Auch darüber, was er so tut, während die anderen coden, habe ich ausführlich erläutert.Heute möchte ich einmal anknüpfen und erklären, was ein ScrumMaster so macht, wenn es so aussieht als würde er nichts tun. Auch möchte ich betonen, dass es wichtig ist „Platz“ zu haben in seinem Zeitplan.

Flexibilität

Würdest Du dem Mitarbeiter am Postschalter vorwerfen, dass er so ausgelastet ist, dass er niemals Zeit für Dich hat? Ganz bestimmt. Denn du würdest deinen Platz in der Schlange behalten bis der Pfeffer wächst.

Würdest du ihm hingegen vorwerfen, wenn er auch mal 15 Minuten Ruhe hat und einfach „bereit und anwesend“ist, sprich flexibel genug seinen nächsten Kunden zu bedienen, der Du sein könntest? Sicher nicht.

Und das ist, worauf ich in diesem ersten Beispiel hinaus will. Ein guter ScrumMaster hat Platz in seinem Kalender um einsatzfähig zu sein für seinen nächsten Kunden, denn er ist der Dienstleister des Teams. Nicht umsonst sprechen wir beim Wort Servant Leadership vom „Dienen“…Wie soll das gehen, wenn er einfach ständig ausgelastet ist? Es bliebe schlicht keine Zeit, den nächsten Kunden zu bedienen und zu helfen.

Es gibt immerhin ganz Berufsgruppen, die dafür bezahlt werden, anwesend und einfach einsatzfähig zu sein. Im Idealfall bekommen diese Menschen ihr Geld, obwohl sie nicht mal ausrücken müssen, eeil es eben nicht brennt. Und glaubt mir, auch sie haben genug durch Fortbildung, Übungen und Wartung ihrer Gerätschaften zu tun.

Lernen

Wie im Beispiel eben erwähnt, haben nicht nur Feuerwehrleute und andere Berufsgruppen zu üben und zu trainieren. Nein, auch unsere technischen Experten in den Entwicklerteams trainieren. ZB in ihren Techtalks, Blogs oder durch KnowHow Sessions. So muss es auch ein ScrumMaster tun. Wie das im Alltag geht, ist trotz Google und Co gar nicht so leicht. Und dennoch muss er beim „Training on the job“ kreativ werden. Von außen fragt man sich vielleicht, was er eigentlich gerade tut. Vielleicht liest er diesen Artikel.

Beobachten und Wahrnehmen

Wer sich mal mit der Systemtheorie, Coaching und/oder Teambuilding auseinandergesetzt hat, der mag beurteilen können, wie komplex die erfolgreiche Zusammenarbeit verschiedenster Menschen wirklich ist. Um auch die Vorgänge im „Uhrwerk“ des Teams – ich mag diesen Ausdruck, denn es ist wichtig, dass ein Zahnrädchen zur richtigen Zeit in das richtige andere Zahnrädchen greift – zu verstehen und vor allem, positiv zu gestalten, bedarf es einer ausgeprägte Beobachtungs- und Wahrnehmungsgabe. Ein ScrumMaster, der ein Meister seines Fachs werden will, betreut nicht nur eine Gruppen Menschen, bucht Räume und holt den Beamer. Nein, er ist viel mehr als der Teamassistent. Er nimmt wahr beobachtet und stellt sich Fragen wie:

  • Wer gibt den Ton an?
  • Wer sollte „den Ball“ in unseren Diskussionen öfter bekommen?
  • Wie geht es den Menschen?
  • Wer braucht gerade was? Was braucht das Team?
  • Worüber sprechen die Kollegen in sachlichen Diskussionen? Über die Vergangenheit und Ursachen oder über Lösungen und die Zukunft?
  • Wie ist das Miteinander im Team? Herrscht Hilfbereitschaft und Alignement oder gibt es einen Experten und frustrierte „andere“?

Jedem ScrumMaster kann ich nur empfehlen, sein Team in einer Retrospektive einmal zu visualisieren und zu zeigen, warum er Beziehungen und Abhängigkeiten zueinander wie sieht. Das tun ihm alle gleich ohne voneinander abzuschauen. In anschließender Präsentation des eigenen Bildes vom Team werden offene Fragen wie die obigen diskutiert. Alles mit dem Ziel, das Miteinander zu verbessern.

Betrachte den ScrumMaster also einmal als den Leuchtturmwärter des Teams. Eine seiner Aufgaben ist „beobachten“. Von außen sieht das ziemlich untätig aus.

Ich gebe selbst zu, dass ich mich häufig sehr produktiv fühle, wenn ich von einem Meeting ins andere hetze und völlig umtriebig bin. Wenn ich dann jedoch abends schaue, was ich wirklich erledigt habe, ist das oft nicht viel. Warum fühle ich mich also produktiv, wenn ich nichts schaffe? Die Gründe sind vielfältig aber dieses Phänomen zeigt auch mir, dass der Kulturwandel, der mit der Einführung agiler Methodiken einher geht, auch nach 5 Jahren noch nicht restlos in mir angekommen ist. Das schlechte Gewissen, am Schreibtisch sitzend und nachdenkend aus dem Fenster zu schauen, um Dinge vorzubereiten oder zu lösen ist mir allzu geläufig. Am liebsten würde ich dann immer in die Tasten hauen. Denn wer tippt, der Arbeit doch, oder?!

Liebe Auftraggeber, Vorgesetzte, Team und Projektleiter. Bitte erinnert Euch. Wir arbeiten in einer Wissensbranche. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Wir können nichts tun, außer vertrauen, dass unsere Kollegen das Bestmögliche tun. Und sie tun es. Wenn wir den nötigen Rahmen schaffen. Die Wissenschaft beweist immer wieder. Man kann nicht sehen ob einer arbeitet, Code reviewed, seinen Urlaub plant oder an das letzte Wochenende denkt. Was wir aber können ist, Vertrauen üben und lernen. Ein Coach ist Euch behilflich, wenn es nicht so leicht von der Hand geht.

Macht Euch bewusst: Wer in der Zwangsjacke aus Regeln, Prozessen, Kontrollen und Misstrauen steckt, der sucht einen Ausweg und das ist das letzte, was wir alle wollen.

 

Wer immer nur Existenz sichert, kommt nicht zum Gestalten

SlumdoDas sind Neely und Apu. Vorab, die beiden haben aus indischer Sicht -ich habe selbst einen Monat dort verbracht – ein typisches Leben. Sie leben nicht in Armut aber sind aus unserer Sicht auch nicht weit davon entfernt. Ihr Leben ist vor allem von allem bestimmt, was es zu tun gibt, um die eigene Existenz zu sichern. Die Schul und Ausbildung, sprich die Weiterentwicklung bleibt da gehörig auf der Strecke. Somit fällt das „Gestalten“ des eigenen Lebens eher gering aus. Neely und Apu haben keine große Wahl, denn schon Maslow wusste: Ein Dach, Nahrung und die Sicherung der Existenz haben Vorrang vor Entwicklung und Selbstverwirklichung.

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Das ist Klaus. Klaus ist Verwaltungsangestellter einer Stadt in Nordrhein Westfalen. Klaus wurde von seinen Eltern eingebläut, dass Sicherheit und ein geregeltes Einkommen das Wichtigste bei der Berufswahl ist. Schon Klaus Vater ist diesem Gebot stets gefolgt und hat 40 Jahre seines Lebens im öffentlichen Dienst verbracht. Da Klaus Eltern noch die letzten Jahre des 2. Weltkrieges miterleben mussten und vor allem kurz vor Kriegsende Hunger gelitten haben, ist dieses Konzept „Sicherheit“ damals durchaus nachvollziehbar gewesen. Auch, warum sie ihrem Sohn Klaus eingeschärft haben, für Sicherheit zu sorgen. Das Resultat:

Klaus Leben ist von allem bestimmt, was es zu tun gibt, um die eigene Existenz zu sichern. die Weiterentwicklung bleibt da gehörig auf der Strecke. Somit fällt das „Gestalten“ des eigenen Lebens eher gering aus. Ein Dach, Nahrung und die Sicherung der Existenz haben Vorrang vor Entwicklung und Selbstverwirklichung.

Bemerken Sie etwas?

Viele unserer Mitmenschen in vermeintlich sicheren Ländern der sogenannten „ersten Welt“ leben so, als würden sie in der dritten Welt leben. Existenzsicherung hat Vorrang vor allem anderen. Freude, Erfüllung, Kreativität, Erfüllung und Wachstum verkümmern. Mein Bekanntenkreis ist voller Menschen, die keine Zeit zum Gestalten haben, weil Sie teure Dinge bezahlen müssen, die sie angeschafft haben, weil der Job so viel frustet und man im „Kaufen“ wenigstens ein bisschen Freude empfindet. Das System funktioniert:-)…Die Politik ist stolz. So wenige Arbeitslose wie nie. Und wie viele Glückliche mögen wohl dabei sein? 😉 Man solle in der Tagesschau mal neben die Arbeitslosenquote die Zahl derer schreiben (ich weiß, eine Dunkelziffer), die innerlich gekündigt haben und somit potenziell arbeitssuchend sind.

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3 sichere Anzeichen, dass Du noch nicht am beruflichen Ziel bist, im Sinne erfüllender Arbeit

Hier ein kleiner Selbsttest. Wenn du diese Fragen innerlich bestätigend betrachtest, dann such dir einen Coach, der dir a) ein Bild davon vermitteln kann, wo deine Reise hingehen soll und b) einen Weg mit dir findet, dort hinzugelangen.

  1. Olympiade im Verpissen. Es gibt Weltmeister darin, ihre Arbeit nicht zu tun und damit zu prahlen, wie sie sich mal wieder gedrückt haben. Mein Highlight war ein Software Entwickler, der sich einen Bildchirmschohner gebaut hat, der so aussah, als würde er Code schreiben 🙂
  2. Darauf hinarbeiten, aufzuhören. Sinn des richtigen Jobs ist es nicht, ihn zu beenden
  3. Kopieren ist besser den lehren. Dies meine ich sinnbildlich und das Bild ist entstanden in meiner Schülerzeit, als es Lehrer bevorzugten zu kopieren statt zu unterrichten. Ich weiß, Ihr hattet alle so einen. 🙂

 

Vom Flüchtling zum Reisenden

Dieser Ausspruch ist sehr provokativ und polarisierend und ich entschuldige mich vorab bei all denen, die nun einen Anflug von Ärger verspüren. Dennoch möchte ich für den Moment an diesem Bild festhalten.

Viele Menschen, und auch ich tat das bis ich 30 Jahre alt war, flüchten aus einer Situation in die nächste in der Hoffnung, irgendwann (durch Zufall?) am richtigen Ort anzukommen. Ich flüchtete kurz vor dem Abi aus der Schule. Ich flüchtete aus meinem ersten Job in den Außendienst. Ich flüchtete aus diesem in ein Traineeprogramm zum Geschäftsführer, um dann spätestens alle 18 Monate aus meiner Niederlassung zu flüchten, bis ich schließlich müde im Sabatical landete und nach 15 Monaten und wieder ohne zu wissen, wo es hin gehen sollte, in einem neuen Job landete, der nun das „Heil“ bringen sollte. Hier habe ich gelernt:

Freimachen oder reisen ist schön, hilft aber allein nicht bei der Sinnsuche.

Dieser neue „Traumjob“ – so viel versprach er, denn ich war Verkaufsleiter für Nord und Südeuropa im Kontext von Konzertpianos – war so öde, dass ich wegen „Bore Out Gefahr“ nach 3 Monaten schlaflos kündigte ohne einen neuen Job zu haben.

Und jetzt hatte ich das größte Glück (neben meiner Gesundheit) meines Lebens.

Ich traf durch einen unglaublichen Zufall über meine liebe „Coachingtante“ auf einen Arbeitgeber, der alles veränderte und mir die Welt zeigte, in der ich heute erfüllt wirken darf.

Vom „Weg von“ zum „Hin zu“

Die Glücksforschung hat mittlerweile bewiesen, woran ich stark glaube. Ziele, die im Kontext eines „Hin zu“ stehen, machen nachhaltig zufriedener als jene die das „weniger von… oder „keine“…zum Ergebnis haben.

Keine Wartezeiten oder weniger unzufriedene Kunden sind eben solche Ziele.

Und hier kommt nun der Reisende ins Spiel.

Ein Reisender fühlt sich von seinem Ziel angezogen und selbst wenn er mit dem Rucksack unterwegs ist und viele Stationen bereist, so lässt er sich von einem „Hin zu“ oder „da will ich hin“ auf seinen Reisen leiten.

Und so sollte es auch in der folgenden Frage sein:

Welchem Arbeitgeber, welcher Organisation, welchen Kollegen und welcher Aufgabe möchte ich meine Zeit widmen?

Diese Fragen sollten wir uns unter anderem stellen bevor wir wählen.

Sei Reisender auf dem Weg „zu“ etwas und weniger Flüchtling, denn vielleicht erwischt dich der Zufall nicht…

 

 

 

Rohr-Reinigung mal anders. Oder wie KANBAN Staus reduziert

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Den heutigen Artikel möchte ich mit einer zynischen Scherzfrage beginnen:

Wo ist der Unterschied zwischen einer Verkehrsschlange und einer tierischen? Bei der Verkehrsschlange ist der Arsch vorn …

Dieser Witz zeigt, und das sieht man wie auch hier im Bild, dass die größte Ursache für einen Stau immer an seiner Spitze, also vorne liegt. Die Verstopfung des Rohrs, so könnte man ein weiteres Bild erzeugen, kann also nur schwer behoben werden, in dem man hinten etwas nachschiebt, sondern eher dadurch, dass man vorne, und so tun Klempner es tatsächlich, etwas absaugt. Die Metapher klingt komisch, aber wir könnten uns als Kanban Nutzer also auch als Klempner verstehen, die ein Rohr reinigen oder eben möglichst viel vom obigen Stau reduzieren. Dabei gefällt mir besonders das folgende Zitat:

Im Leben braucht es Sog statt Druck. Wer fliegen will braucht Auftrieb. Die Sache mit dem Druck hat der Teufel erfunden.

Wenn man sich dieses Zitat anschaut, ergibt der Satz Start Finishing, stop Starting besonders viel Sinn.

Wir wollen uns also auf das Abschließen von Tätigkeiten konzentrieren, weniger auf das Beginnen. Dazu nutzen wir in unserem Falle die agile Methodik Kanban, die uns folgenden Nutzen bringen soll:

  • Kürzere Durchlaufzeiten
  • Mehr Klarheit und Sichtbarkeit, wie Ordnung
  • Reduzierte/r Hektik und Stress
  • Einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess durch regelmäßige Retrospektiven
  • Mehr Spaß und weniger Störungen

Wenn man sich nun das Staubild von oben noch einmal zu Gemüte führt, wird schnell klar…Wenn die Polizei die Absperrung vorne wieder frei gibt, wird sich der Stau auflösen. Das kennen wir alle.

Und genau hat es mit dem Abschließen von Tätigkeiten auf sich. Wir fokussieren uns auf den Stauanfang bevor wir immer mehr nachschieben. Ein schöner Praxistipp:

Wir fangen das Daily Stand Up immer bei den Tätigkeiten an, die potenziell abgeschlossen werden können. Erst dann nehmen wir uns die „To Dos“ vor.

Nun aber zum oben versprochenen Nutzen. Wie sorgen wir denn dafür, dass das Erwähnte auch eintritt? Denn unsere Tickets, Stories und Tasks türmen sich ja geradezu..

Ein kleines Wundermittel für die Durchlaufzeit, und das lässt sich mit spektakulären Esperimenten im Team beweisen, sind so genannte Work in Progress Limits, kurz WiP Limits.

Sie sorgendafür, das (bildlich gesprochen) nur eine von uns definierte Anzahl von Fahrzeugen auf die Bahn darf. Wir sagen also von vornerein, wie viele Aufgaben sich bei uns in Progress befinden dürfen.

Dies erhöht nicht nur den Fokus und Konzentration auf wenige Aufgaben, denn Menschen arbeiten nun zusammen an Dingen und schließen diese zügig ab. Nein, es sorgt auch dafür, dass die Zahl der „wartenden“ Tätigkeiten reduziert wird.

Haben Sie sich mal gefragt, an wie vielen Dingen in ihrem System tatsächlich gearbeitet wird und wie viele eigentlich nur das System, das Rohr, verstopfen? Schnell wird klar, es geht auch darum, weniger auf die Reise zu schicken, weniger Projekte zu beginnen, um die Bahn, das Rohr, sprich unser System frei zu halten. Es wird deutlich, was Kanban bewirkt, so man es konsequent als Mittel der Wahl einsetzt. Für die Arbeit im Team bewirkt es schon sehr Nützliches, aber konsequenterweise hört auch die Organisation als Ganzes mal auf, immer mehr Projekt zu starten und dies an einem „Company Kanban Board“ sichtbar zu machen.

Denn nur weil ein Team für sich durch den Einsatz von Kanban für einen effizienten Weg sorgt, ist ja der Stau aus wartenden Projekten und Anforderungen vor dem „Teamsystem“ noch nicht reduziert.

Letztlich sehen wir einmal mehr, dass agile Methoden, wie die heute beschriebene nur dann zur vollen Entfaltung kommen, wenn man sie konsequent und organisationsweit einsetzt.

Manchmal wünschte ich mir, ich hätte das schon als für die Durchlaufzeiten der Fielmann Werkstätten verantwortliche Geschäftsführer gewusst. Dann hätte ich mittels Kanban aktiv Staus reduziert. Man stelle sich vor, dass der Weg einer Brille vom Wareneingang bis zur Fertigstellung durchaus mal 1 bis 2 Tage dauern kann. Dabei wird nur ca 15 Minuten an ihr gearbeitet. Den Rest verbringt sie im Stau.

Wie sieht die Durchlaufzeit Deiner Anforderung durch das System aus?

Ist sie Dir bewusst?

Womöglich ist sie lang, was uns zeigt, dass es auch hier gilt Staus zu reduzieren und im Sinne der Qualität und des Durchlaufs weniger Dinge, sogar ganze Projekte anzufangen.

Qualität? Wie jetzt? Was hat das mit Stau zu tun?

Dazu kurz die Entstehungsgeschichte von Kanban. In Asien gab es einst sehr schöne öffentliche Gärten und man wollte die Sauberkeit und Lebensqualität in diesen hoch halten, indem man von Anfang an limitiert hat, wie viele Menschen den Garten gleichzeitig betreten dürfen. Um dies zu gewährleisten, bekamen die Besucher an EINEM Eingang des Gartens eine Karte ausgehändigt. Die Anzahl dieser Karten war reduziert und nur wer eine solche besaß, durfte den Garten für eine bestimmt Zeit betreten. Und genau jene Karten hießen KANBAN.

Da Staureduzierung jedoch nicht alles ist, was Kanban bewirkt, möchte ich im nächsten Artikel beleuchten, was das Pull Prinzip in Verbindung mit heute beschriebenen WiP Limits bewirken kann.

 

Wer hat an der Uhr gedreht? Über die systemische Begleitung von Menschen auf dem Weg in den Ruhestand

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Wer kennt ihn nicht. Den lustigen aber auch so wahren Film „Papa ante Portas“, in dem der umtriebige und leistungsorientierte Ehemann von einem Tag auf den anderen zuhause ist und die Familie in den Wahnsinn treibt. Nicht wissend wohin mit sich und seiner Energie.

In der systemischen Arbeit haben wir es zumeist mit Berufstätigen zu tun. Ihr Anliegen sind vielfältig, haben jedoch oft mit einer wichtigen Entscheidung oder Weiterentwicklungsfragen zu tun. Ich beobachte jedoch einen sehr interessanten Trend einer Gruppe Menschen, die sich in der späten Lebensmitte noch einmal die ganz großen Fragen stellen.

Was möchte ich mit meiner Zeit noch anfangen? Denn jetzt habe ich sie und die Couch ist keine Alternative.

Ich spreche von Menschen auf dem Weg in ihren Ruhestand. Solchen, denen das Glück zuteil wurde, sich auch ein erfüllendes Leben leisten zu können, ohne weiter arbeiten zu müssen. Ich spreche von Menschen, die sich vielleicht aufgrund einer großzügigen Abfindung, aufgrund cleveren Sparens in ihrem Leben oder aufgrund einer Betriebsrente früher als Gedacht in den Ruhestand verabschieden. Oder eben solche, die einfach in den Rentenstand treten und gut davon leben können. Ich beziehe mich heute auf Menschen, die eines gemeinsam haben. Geld UND Zeit. Und ich meine keine Millionäre, bei denen es wirklich nicht aufs Geld ankommt. Heute soll es sich um Menschen drehen, die ohne große finanzielle Einbußen aus dem beruflichen Alltag in die „Freiheit“ gehen, sprich mit monatlichem Einkommen, dass ihnen bis zum Lebensende ein Auskommen garantiert, wie sie es in etwa gewohnt sind. Existenzielle Sorgen spielen jedenfalls keine Rolle. Oder doch?

Schauen wir uns das an einem konkreten Beispiel näher an.

Sophie ist 59 und ihre Firma hat sich aufgrund eines großen Sanierungsvorhabens dazu entschieden, einer Personengruppe, zu der Sophie gehört, ein Abfindungspaket zu schnüren, welches ihnen bis zum Renteneintritt ca 90 Prozent des bisherigen Einkommens beschert. Da Sophie immer gut verdient hat, ist eines klar. Es reicht. Und dennoch tun sich viele Fragen auf.

Dies durfte ich von Sophie erfahren, die es mir gestattete, sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Einige der zentralen Fragen, ja Sorgen, so muss ich sagen, möchte ich hier teilen. Zuvor sei noch erwähnt, dass ich durch Sophie verstanden habe, dass sich trotz genügend Geld durch regelmäßiges Einkommen große Sorgen auftun können. Wie zum Beispiel:

  • Wie wird es mir gehen, wenn ich nichts mehr „zu tun“ habe?
  • Kann mich das krank machen? Falle ich in ein Loch?
  • Was möchte ich mit meiner Zeit anfangen?
  • Wird die Beziehung zu meinem berufstätigen und erfolgreichen Mann leiden?
  • Was ist der Sinn des Lebens?

Aus meiner Erfahrung eines Umtriebigen, der eher 3 als 2 Projekte treibt und der Erfahrung einer beruflichen 15 monatigen Auszeit mit ca 30 Jahren kann ich sagen, dass sich diese Fragen natürlich auch andere Menschen stellen. Vor allem aber kann ich nachfühlen, wie diese Fragen zu wahrlicher Angst und schlaflosen Nächten führen können. Ohne es zu merken, denn wir sind ja ständig „tätig“ während unserer sogenannten Karriere, macht uns die Leistungsgesellschaft zu Menschen, die einen Großteil ihres Halts, Sinns und ihrer Anerkennung aus dem Beruf bezieht. Selbst unser soziales Leben findet im Büro statt. Freunde sehen wir nur selten.

  • Was jedoch, wenn der Beruf auf einmal wegfällt?
  • Was bleibt von unserem Wert?
  • Was macht uns eigentlich zu einem wertvollen Menschen?

All dies gilt es neu zu klären, zu sortieren und auf den Prüfstand zu stellen.

Tatsache ist jedenfalls, dass sehr viele Menschen in ihrem Berufsleben so sehr mit der Existenzsicherung beschäftige waren, dass sie nie ins Gestalten kamen.

Ein Hoch also auf alle jene, die irgendwann einmal ihre Berufung gefunden haben und so viel Erfüllung in ihrem Tun fanden (beruflich oder auch nicht), dass sie sich damit bis an ihr Lebensende befassen wollen. Gesundheit vorausgesetzt.

Heute geht es aber eher um jene, die diese „Suche“ scheinbar noch ein letztes Mal im ganz großen neu beginnen wollen oder gar müssen. Denn sonst drohen Couch, Einsamkeit und RTL 2. Vielleicht schlimmeres.

Zurück zu Sophie. Sie stammt aus meinem Bekanntenkreis. Damit war für mich eine Beauftragung als Coach ausgeschlossen. Eine Empfehlung und ein inspirierendes Zitat, sowie meine Begleitung als freundschaftlicher Fragensteller konnte ich ihr jedoch anbieten.

So empfahl ich ihr, sich mit Hilfe eines systemischen Beraters in den Prozess der „Transformation“ zu begeben. Das es eine wahrhafte Transformation wird, sollte sich noch herausstellen. Daher wähle ich den Begriff. Das erwähnte Zitat hat mich selber einmal sehr berührt. Denn es stammte von Wolfgang Niedeken, dem Liedsänger der Band BAP, der nach schwerer überstandener Krankheit einmal zu seiner Tochter sagte:

Du musst die Energie aus dem ziehen, was du tust und nicht aus dem, was du dafür bekommst.

Nur wenig beschreibt für mich so schön, worauf es bei der Wahl seiner Tätigkeit ankommen sollte. Wann auch immer ich sie treffe. Idealer Weise stellt mir ein ausgebildeter Mensch eben solche Fragen schon in der Schule. Das ist jedoch eine anderes Thema des entstehenden Buches, auf das wir uns später im Kontext unseres Schulsystems beziehen wollen.

Bleiben wir bei Sophie. Auch sie hat es schon Monate vor dem Schritt in die „Freiheit“ mit der Angst zu tun bekommen. Sogar die konkrete Angst vor Krankheit, beispielsweise einer Depression, hat sie des Nachts heimgesucht. Und ich konnte sie so gut verstehen. Bezog sie doch ihren Selbstwert, so wurde ihr mehr und mehr bewusst, über den beruflichen Erfolg, den sie sich immer wieder neu verdiente. Was aber, wenn dieser fehlen würde. Ihr blieben 4 Monate bis zum Ausstieg.

Das Spannende war zu sehen, dass das Thema Geld, denn ein großzügiges Einkommen bis zur Rente war ihr ja sicher, überhaupt keine Rolle beim Aufsteigen ihrer Ängste spielte. Es drehte sich einfach um etwas anderes. Die drohende Tatenlosigkeit. Also empfahl ich ihr, sich am besten ab sofort durch einen Berater begleiten zu lassen. Am Ende wurde es ein Kompromiss. Sie ging sofort auf die Suche, wir reflektierten in unregelmäßigen Abständen aber die eigentliche Arbeit mit ihrem Berater begann erst mit dem Austritt aus dem Unternehmen. Um es vorweg zu nehmen und um auf Lernerfahrung und scheinbar zentrale Fragen zu kommen, die Menschen umtreiben UND die sie sich stellen sollten, möchte ich den Ausgang von Sophies Transformation beschreiben.

Sophie ist heute glücklich. Die berühmte Angst vor der Angst war das schlimmste. Sie begriff, dass es häufig nicht die Realität ist, die uns so umtreibt, sondern unsere finsteren Gedanken und Horrorfantasien. Auch begriff sie in ihren schlaflosen Nächten, dass nicht Grübeln hilft sondern einzig und alleine Taten. Es mag eine kleine Ausnahme von Menschen geben, doch in der Regel fällt die Inspiration und der nächste Schritt nicht vom Himmel, wenn es um große Entscheidungen geht. Nein

Wir müssen uns kümmern. Um uns. Und wir „müssen“ ins Gestalten kommen.

Das hat für Sophie bedeutet, sich einen Coach zu suchen und so langsam ihren Übergang in den Ruhestand zu begreifen. Konkret heißt das, zu begreifen, dass Veränderung nie aufhört, so man vom Sofa aufsteht.

Ein „Ja und“…statt einem „Ja aber“ ist dabei hilfreich Haltung. Also die Veränderung zu begrüßen, denn sie kommt sowieso. Am besten sie aktiv zu gestalten und nicht nur zu reagieren, auf das was kommt.

Sophie hat heute einen Teilzeitjob in einem netten Team, der sie an 2 Tagen in der Woche beschäftigt. Sie lernt ein Instrument, trifft sich wöchentlich mit einer Frauengruppe, die ähnliches erlebt und betreibt intensiv ihr allzeit geliebtes Yoga. Bei dieser Struktur, so nennt sie es, hat sie begriffen, wie wichtig Struktur – ich nenne es Halt-für den Menschen ist. Vielmehr hat sie jedoch begriffen, dass es keine 45 Stunden Woche in einer Firma braucht, um Struktur zu erleben.

Wir sehen also, dass eine Regelmäßigkeit auch kleiner Tätigkeiten aber vor allem das regelmäßige soziale Leben Halt und Struktur geben können. Aus meiner Erfahrung als Coach und Berater kann ich das nur bestätigen und möchte betonen, dass aus meiner Sicht folgende Formel gilt:

Wer seine Werte kennt und danach lebt, wer in sozialen Gefügen Anerkennung Sinn und Dankbarkeit erfährt, wer tut, was ihm gut tut, der ist glücklich und wird seelisch gesund sein.

Am Ende, und so möchte ich hier schließen, bedeutet dies jedoch die ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst und seinem Inneren. Es bedeutet, sich wichtige Fragen zu stellen, sich noch besser kennen zu lernen, in den Spiegel zu schauen und Veränderung zuzulassen. Denn

nichts ist so sicher wie die Veränderung. 

Drei Fragen zum Schluss:

  • Wie gut kennen sie sich, ihre Wertvorstellungen und das, was sie nachhaltig zufrieden und zuversichtlich macht?
  • Wie könnten sie es noch besser herausfinden?
  • Wenn Angst und Geld keine Rolle spielen würden in ihrer Welt. Was würden sie ab heute tun?

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Reifegrad „Profi“…Ein Scrum Master wie er nicht im Buche steht.

Immer wieder begegnen einem als ScrumMaster oder agile Coach folgende Aussagen:

  • Der SrumMaster kann mehrere Teams übernehmen
  • Der Entwickler kann zeitgleich ScumMaster sein
  • Der PO kann zeitgleich ScrumMaster sein
  • Für einen ScrumMaster gibt es kein Budget

Mit diesen Aussagen und der dahinter liegenden Haltung möchte ich heute aufräumen, indem ich aufzeige, was ein guter ScrumMaster „AUCH“ tut und was über das, was in der Rollenbeschreibung steht, hinaus geht.

Zunächst. ScrumMaster gibt es wie in allen Disziplinen in mehreren Reifegraden. Heißt es beim Sportler Anfänger, Fortgeschrittener oder Könner, so rede ich beim ScrumMaster vom Reifegrad. Ob man ihn mit Zahlen von 1-… , mit Buchstaben von A bis… bezeichnet oder direkte Bezeichnungen wählt, ist völlig gleich. Hauptsache man ist sich innerhalb der Organisation einig:

  • Wer misst das ?
  • Wie wird das gemessen ?
  • Was wird gemessen?

Hat man den Status Quo zum Zeitpunkt X einmal bestimmt, so lassen sich gemeinsame Bilder davon entwickeln, was einen „guten“ ScrumMaster ausmacht und ob eine Entwicklung seiner Fähigkeiten stattfindet. Gemessen wird am Ende in der Regel durch gegenseitiges Feedback. Nun aber zur eigentlichen Aussage des Textes.

Was macht ein ScrumMaster und vor allem, was bringt er Ihnen, wenn er einen wirklich guten Job macht?

6 Dinge, die Sie so vielleicht noch nicht gesehen haben

  • Er wird Ihr Team zu einem Hochleistungsteam formen
  • Für Inspiration sorgen
  • Gesundheit fördern
  • Fluktuation mindern
  • Den Markenwert der Organisation (seinen Ruf) steigern
  • Das Team zum Magneten für Experten machen

Im Detail:

Ein ScrumMaster macht aus einem „einfachen“ Tasks und Stories abarbeitenden Team eine wahre Mannschaft, die bis in die Haarspitzen motiviert ein Produkt liefert, weil es will und nicht weil es muss. Der ScrumMaster beeinflusst also auch die Haltung, mit der Menschen sich ans Werk machen. Ein Steinmetz klopft Steine, der zweite baut eine Mauer, ein dritter bildet eine Kathedrale. Alle tun jedoch die gleiche Tätigkeit.

Ein ScrumMaster sorgt für das berühmte Denken „out of the box“. Durch Methoden und Skills, in denen er sich ständig weiterbildet, sorgt er für wahre Inspiration und zb sinnhafte Meetings im wahrsten Sinne des Wortes. ScrumMeetings werden mit allen uns innewohnenden Sinnen erlebbar. Es wird probiert, geschaut, gehört, gelacht und Sinn wie Mitgefühl erzeugt. Eine der schwersten Aufgaben aber genau darum geht es ja heute. Brillianz.

Ken Schwaber sagte mal: „Ich habe Scrum erfunden, um Selbtmordraten zu senken“. Das klingt sehr provokativ, trifft aber im Grunde, was immer wieder zu erleben ist, selbst wenn agil bzw Scrum nicht konsequent eingesetzt wird. Eines ist immer besser als vorm agilen Wandel. Die Stimmung der Mitarbeiter und damit der Gesundheitszustand selbiger. Das sich dies positiv auf Fluktuation, Fehlzeiten und letztlich Ergebnisse auswirkt ist leicht herzuleiten.

Warum wollen Menschen in ihren jeweiligen Branchen in bestimmten Unternehmen arbeiten. Ganz einfach. Die entsprechenden Unternehmen genießen einen ausgezeichneten Ruf. Dieser macht sie damit zum Magneten für Experten jedweder Art. In Zeiten des berühmten „Fachkräftemangels“ erleben „Agilisten“ eine Flut von Anfragen in jeder Woche. Dies ist aus unserer Sicht ein Luxus, für den wir dankbar sind. Für Unternehmen stellt es jedoch einen Kampf um die Besten dar. Mittlerweile bewerben sich Unternehmen beim Bewerber und fragen, was denn sein müsste, damit man käme. Teams mit hervorragendem Ruf genießen das Gegenteil. Die Wirkung eines Magneten, zu dem die Leute wollen, um mitzumachen. Selbst erlebt.

Auch wenn es ein Weg ist bis zu diesem Reifegrad eines ScrumMasters, der all das Erwähnte bewirkt. Es lohnt sich zu investieren. Und es gibt sie. Sie zu bekommen ist schwer. Also bilden wir aus, stellen wir ein, casten wir und werden wir zum Magneten. Und bitte, fordern Sie keinen „technischen Background“ als must have. Die besten Kandidaten werden ihnen so durch die Lappen gehen. Denn was Sie brauchen ist ein

Gastgeber, Dienstleister, Trainer, Coach, Mädchen für alles, Moderator, Anpacker, Motivator, Sekretär und Superheld.

 

 

 

Leaders eat last

Leader

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute laut darüber nachdenken, was Leadership AUCH bedeutet und an einem gerade erlebten Beispiel beleuchten, was das in der Konsequenz bedeutet.

Ich habe gestern an einem Abend-Event teilgenommen, welches von einer Beratungsfirma ausgerichtet wurde. Die Dramaturgie ist schnell erklärt. Zunächst trat der Geschäftsführer auf die Bühne und hat die geschätzt 150 Gäste begrüßt, um nach Themen wie Jubiläum und Wohltätigkeit zum eigentlichen Haupt Act überzuleiten. Einem sich selbst feiernden Business Speaker aus dem Cirque du Soleil. Dieser soll heute jedoch keine weitere Beachtung finden.

Am Beispiel dieses Events möchte ich nun im folgenden beschreiben, wie Leadership ausgesehen HÄTTE.

Was ist passiert? Der Geschäftsführer, bestens im neuen Zwirn gekleidet und mit Headset ausgestattet – ein echter Chef und Alphatier – stand auf der Bühne und es dauerte nur wenige Minuten, bis ich mir ganz unwohl war. Denn, es war offensichtlich, wie unwohl er sich in seiner Rolle fühlte. Die Nervosität und vor allem völlige „Uneignung“ als Redner sprang -mir zumindest- ins Gesicht. Ich litt im wahrsten Sinne mit ihm. Sprache wie Körpersprache taten dann zur starken Nervosität ihren Rest dazu. Die Arme konsequent hinter dem Rücken verschränkt, ablesend und rhetorisch stark verbesserungswürdig quälte sich der sogenannte Chef durch seinen Auftritt. So mein Erleben.

Heute frage ich mich, was jemanden der sich scheinbar so sehr unwohl auf einer Bühne fühlt, dazu veranlasst, sich vor 150 Menschen auf eine eben solche zu stellen, wo es doch bei 60 Mitarbeitern (Aussage des Redners) garantiert jemanden gibt, der einen solchen Auftritt sogar genießen könnte? Am Ende kann ich nur interpretieren, dass der Chef sich dazu gezwungen fühlte, ob der „Pflicht seines Amtes“ oder dass sich ein echtes Alphatier eben auch VOR die Mannschaft stellt. Und eben nicht DAHINTER.

Und genau darauf möchte ich hinaus. Leadership heißt auch „sich zurück nehmen“, anderen die Bühne überlassen, Räuberleiter machen aber vor allem eines. Meine Mitarbeiter wachsen, ja sogar glänzen lassen und NICHT, dass Rampenlicht für mich zu beanspruchen und sogar noch „Befehle“ von der Bühne aus an die Mitarbeiter zu verteilen. Wenn ich dann selbst mit meinen Fähigkeiten auf der „Bühne des Lebens“ – so das Motto des Abends – nicht glänzen kann, ist dies peinlich obendrauf.

Gestern durfte ich also einmal erleben, wie es nicht geht mit dem Leadership. Um damit sind wir auch beim Guten am Schlechten. Der Abend war zwar sehr enttäuschend und sogar der Business-Speaker, der sich gleich zu Anfang „Freunde“ machte, indem er über Polen und unsere Heimatstadt herzog, vollendete meine Enttäuschung. Er glänzte durch Plattitüden, manipulative Tricks im Vertrieb und alte Youtube Videos, deren Inhalt er für seine Erfindung verkaufte. Aber:

Auch wenn ich sogar das bezahlte Essen ausließ und die Veranstaltung vorzeitig mit dem mir so lieb gewordenen Gedanken „Mein Geld haben sie eh schon. Meine Zeit gibts nicht noch oben drauf“ verließ, so sehe ich doch wieder mal das erwähnte Gute am Schlechten. Dank des Abends sitze ich nun voller Ideen und Tatendrang am Schreibtisch. Mit neuer Inspiration zum Schreiben zum einen, mit neuen Ideen für mein eigenes Geschäft zum anderen. Das wäre mir ohne das unschöne Erlebnis gestern nicht gelungen. Danke also.

Zusammenfassend möchte ich abschließen mit einer Idee davon, wie Leadership in Bezug auf den gestrigen Abend hätte aussehen können.

  1. Als Führungskraft suche ich einen freiwilligen, der so richtig Lust und Freude am Reden vor Menschen hat.
  2. Ich helfe ihm mit aller Tatkraft dabei, sich auf den Auftritt vorzubereiten. Ich mache „Räuberleiter“
  3. Ist der große Abend gekommen, so nehme ich mich zurück, zeige mich bescheiden und lasse meinen Mitarbeiter mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln glänzen und feiern.
  4. Mein Gefühl dazu als „Leader“: Großartig, es ist ein Genuss, andere Wachsen zu lassen und mitzuerleben, wie sie stolz und berührt im Erfolg baden.
  5. Ans Buffet begebe ich mich übrigens zuletzt, denn

LEADERS EAT LAST !!!