Vorsicht Glaubenssatz – Wie gut gemeintes in unserer Kindheit zur Blockade für Glück wie Erfolg werden kann und wie wir diese lösen…

AAKid

Ich weiß nicht, wie viele Eltern und Großeltern uns Zitate und Lebensweisheiten eingebleut haben als wir kleine und besonders empfänglich waren.
Manche oder alle dieser Glaubenssätze, und so möchte ich sie ab nun nennen, haben viel mit uns gemacht. Ein Beispiel dafür möchte ich heute besonders beleuchten und es soll durch meinen Beitrag offensichtlich werden, warum es Sinn macht, sich dieser Glaubenssätze bewusst zu werden. Denn auch wenn wir über viele Schmunzeln. Oft sind sie doch zum inneren Betriebssystem geworden. Unbewusst und fest verankert bestimmen sie unser Verhalten, obwohl wir uns dieser Programmierung gar nicht bewusst sind.

Ein Beispiel:

Matthias wuchs bei seinen Großeltern auf, da seine Eltern sich früh trennten, sein Vater ins Ausland ging, die Familie allein ließ und die Mutter leider viel zu früh verstarb. Nun war es so, dass Matthias Erziehungsberechtigte, seine Großeltern im Krieg lebten und in schlimmen Zeiten nur knapp dem Hungertod entgangen sind. Man kann nur nachvollziehen, dass diese Erfahrungen sie so sehr geprägt haben, dass sie eine ganz besondere Beziehung zum Thema „Essen und Lebensmittel“ entwickelt haben. Und so vermitteln sie es nach bestem Wissen und Gewissen ihrem Enkel Matthias. Sätze wie..

„Iss auf, wer weiß, wann es wieder etwas gibt“ oder „lieber mit den Magen verrenken als dem Wirt was schenken“

werden fortan zum festen Bestandteil einer jeden Mahlzeit, die die Drei gemeinsam einnehmen. So lernt Matthias Tag für Tag, dass aufgegessen werden muss. Komme, was da wolle. Ob hungrig oder nicht. Ohne es zu ahnen verliert Matthias so immer mehr eine funktionierende Wahrnehmung für die Gefühle Hunger und Satt. Viel zu stark ist der aus der Kindheit stammende Befehl „iss auf“ und steuert Matthias Essverhalten mehr und mehr auf ungesunde Weise.

Nicht lange lässt das Übergewicht auf sich warten und völlig ohne es zu bemerken, werden die oben genannten Glaubenssätze zum immer laufenden Betriebssystem. Aufessen um jeden Preis, wann immer es etwas gibt, bestimmt Matthias Leben fortan. Das entstandene Übergewicht wird zum Problem. Zwar ist Matthias keiner von den Menschen, die unter Bluthochdruck und Gelenkschmerzen leiden (noch nicht). Aber ein ganz anderes Problem ergibt sich für ihn. Matthias hat es schwer, Frauen kennenzulernen, geschweige denn anzusprechen. Eine Beziehung ist für ihn auch Anfang 20 noch in weiter Ferne. Alle Versuche abzunehmen schlagen Fehl. Was ihm nicht bewusst ist. Sein Betriebsprogramm, welches ihm nach wie vor und immer befiehlt zu essen und vor allem aufzuessen. An dieser Stelle möchte ich den Fortgang dieser Geschichte Ihrer Fantasie überlassen und in den „Lösungsmodus“ wechseln.

Fokussieren möchte ich mich dabei als systemischer Coach natürlich auf das Finden von Lösungen. Denn darauf fokussieren wir uns in der systemischen Arbeit! Wir beleuchten die Zukunft also das..

  • wie soll es künftig sein?
  • wie sieht es ohne das Problem aus?
  • wie kommen wir dahin?

Steve de Shazer, ein großer Vordenker in Sachen systemischer Beratung prägte den Satz:

Der Lösung ist egal, woher das Problem kommt!

Und so halten wir es dann auch mit unserer Arbeitshaltung. Wir halten uns nicht mit Schuld und Ursachen auf, sondern mit Lösungen, der Zukunft und Wegen dort hin.

Dennoch, um die Brücke zurück zu unseren Glaubenssätzen zu schlagen, ist es sehr hilfreich, sich seinen inneren Überzeugungen bewusst zu werden. Beeinflußen sie unser Tun, Denken und Verhalten doch so sehr.

Zurück zu Matthias, um im Lösungsmodus den weiteren Verlauf der Dinge zu verdeutlichen. Da Matthias nicht ganz frei erfunden ist, möchte ich berichten, was für Ihn zur Lösung wurde. Durch Umwege und Zufälle gelang Matthias eines Tages zu mir, seinem systemischen Coach. Sein Thema: Die Gewichtsproblematik. Ohne in Stunde Eins zu wissen, denn ich fragte ja auch nicht danach, woher das Problem kommt, haben wir uns direkt damit auseinander gesetzt, was anders wäre, wenn sein Problem gelöst sei. Nach ausführlich erarbeitetem Ziel, einem Leben mit Normalgewicht und dem dadurch gefundenen Selbstvertrauen, auf Frauen zuzugehen, widmeten wir uns im Anschluss sofort dem Weg zur Lösung. Dabei möchte ich besonders auf eine Frage eingehen, die für Matthias und mich den Knoten löste. Die Frage lautete:

Wenn dein Übergewicht sprechen könnte, was würde es berichten?

Hierauf folgte, wie so oft im Coaching, Schweigen. Hielt ich dies vor meiner systemischen Ausbildung noch für das Ergebnis einer schlechten Frage, so weiß ich heute mehr darüber und deute das Nichtwissen einer Antwort so, dass der Klient im Begriff ist, etwas neues über sich zu entdecken und zu lernen. Mittlerweile darf ich ein Schweigen auf eine systemische Frage also mit Freude erleben. Gerne vergleiche ich Coachinginterventionen mit dem Spiel „Schiffe versenken“. Man probiert viel, vieles geht daneben und manches ist eben ein Volltreffer. Auf diese Momente steuern wir in der Beratung ohne Ratschlag – so lässt sich Coaching ideal beschreiben – hin.

Und eben diesen Volltreffer konnten wir bei Matthias mit der eben genannten Frage landen. Umso erstaunlicher war seine Antwort und damit seine gewonnene Selbsterkenntnis. Diese war so beeindruckend und erklärend zugleich, dass sich eine weitere sehr hilfreiche zugleich erschloss:

Was ist das Gute am Problem und welchen Grund kann es geben, es zu behalten? Was tut es FÜR Dich?

Matthias berichtete mir nämlich, dass sein Übergewicht ihn vor schmerzlichen Erfahrungen schütze. Dazu muss man sagen, dass der junge Mann Mitte 30 ohnehin sehr reflektiert war. Er berichtete mir auf mein Nachfragen, wie er das meine, dass seine Erinnerungen an den Verlust der Mutter im Vorschulalter so schmerzhaft waren, dass er sich als Kind schwor, diese Gefühle nie wieder erleben zu wollen. Ein Teil diese Lösung brachte nur eben auch die längst verdrängte Entscheidung mit sich, sich nicht auf Frauen einzulassen. Denn eine weitere Trennung von einer solchen würde Matthias -wie damals- in schier unüberwindbare Gefühlsnot bringen. Und nun schließt sich der Kreis. Auf der Verhaltensebene war das Übergewicht eine ganz pragmatische Lösung, um sich Frauen im wahrsten Sinne „vom Leib“ zu halten. Dass die Ursache in Teilen bei seinen Großeltern lag, war eine Erkenntnis, die wir nebenbei und durch andere Übungen aufdeckten, aber wie erwähnt, sind diese wichtige Erkenntnisse und erleichtern sicher die Lösung. Sie sind jedoch nicht von all zu großer Bedeutung.

Wie dieses Beispiel zeigt, sind unsere Themen sehr verzahnt und vieles hängt mit vielem zusammen. Doch systemische Interventionen, wie eben beschriebene Fragen, können Licht ins Dunkel bringen und ganz lösungsorientiert einen alten Knoten zum erweichen und letztlich zur Lösung bringen.

In Matthias Fall bedeutete dies, wie so oft, dass sich hinter dem eigentlich gedachten Thema – dem Übergewicht – noch viel mehr verbarg, was es anzugehen gilt. Und das ist etwas, dass wir Coaches und Berater sehr häufig erleben. Der Kern der Sache liegt oft tiefer begraben und zeigt sich nicht in Sitzung 1.

Da ich bekennender Fan von systemischer Arbeit und Interventionen bin, möchte ich anschließend und wie so oft, ein paar Fragen stellen, die auch Sie vielleicht auf einen neuen Weg bringen können. Zu diesen hat mich eine Klientin inspiriert, die mir zeigte, wie wichtig es ist, sich klar zu werden, wie einfach Entscheidungen manchmal sind, so man nur eine neue Sicht auf die Dinge bekommt. Sie berichtete von einem 2 tägigen Seminar, dass sehr teuer war und nach Tag 1 hat sie enttäuscht beschlossen, abzureisen. Sie erklärte mir, dass wahrscheinlich sehr viele Menschen, wie in einem schlechten Kinofilm, bis zum Ende geblieben wären aber ihr wurde klar,

dein Geld haben sie eh schon. Sollen sie nun auch noch Deine Zeit bekommen?

Mich hat das so positiv beeindruckt, dass sich meine abschließenden Fragen heute um das Thema „Zeit“ und wie wir damit umgehen, drehen sollen.

Los gehts:

  • Wenn du dein Geld wie deine Zeit behandeln würdest. Wie wäre es um dein Bankkonto bestellt?
  • Wenn wir geboren werden, haben wir alle ein Konto voller Zeit. Den Kontostand kennen wir nicht. Fakt ist nur, wir müssen alles ausgeben. Wem oder was schenkst du deine Zeit? Bedenke dabei. Niemand von uns wird den Planeten lebendig verlassen.
  • Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

Einen schönen Start in die Woche!

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