Die Kraft des Zuhörens

Tonstudio

In einer Vielzahl an Workshops darf ich derzeit mit diversen Teams daran arbeiten, wie diese miteinander und ihren Kunden arbeiten wollen. Dabei entstehen in den eintägigen Runden zum Ende Regeln, Prinzipien und Werte, die eine zieldienliche Zusammenarbeit untereinander und mit dem Kunden gestalten sollen.

Nach nun 12 Workshops habe ich ca. 80 dieser sogenannten „Agreements“ kennengelernt, welche sich mal ähnelten, mal jedoch auch völlig unterschieden.

Da diese Workshops als Maßnahme des Konzern CEOs angeordnet wurden, hatte ich keine besonders große Erwartung, was die Qualität und Tiefe dieser Agreements angeht. Oft wurde ich bestätigt, einige Male jedoch auch eines Besseren belehrt.

Und darum soll es heute gehen. Nun nach 12 Terminen und 2 Monate nach Antritt meiner Coaching und Moderationsaufgabe blicke ich auf viele Erfahrungen und eine besonders wertvolle Team-Vereinbarung zurück, die aus einer Arbeitsgemeinschaft, geprägt von lauter Silberrücken, bestand. Damit meine ich solche männliche Mitarbeiter, die der festen Überzeugung sind, dass ihr Wort das schwergewichtigste und häufig auch das letzte sein sollte. Ich machte mir den Spaß und visualisierte, dass sich zum Zeitpunkt des Workshops 130 Jahre Konzernerfahrung im Raum befanden. Kein Wunder, dass sich da jeder aufbäumen wollte, allein um nicht unter die Räder zu kommen.

Mir kam das Phänomen in den Sinn, welches viele von uns kennen, die in den besten Jahren mit ihren Kumpels eine Flasche „Hochprozentigen“ samt Softgetränken kauften, um diesen sogenannten Kübel dann gemeinschaftlich zu vertilgen. Nicht selten schmiss man dafür ein zusammen viele Euros in die Runde und schnell war einem bewusst, wie viel man vom „Kelch“ abbekommen müsste, um auf einen guten „Schnitt“ zu kommen. Der Zehner, den man investiert hatte, sollte sich doch bitte lohnen. Also gab man Gas. So wie alle anderen auch, denn auch sie konnten rechnen. Mit dem Resultat, dass diese Abende ob der „Durchlaufzeit“ um bei agilen Begrifflichkeiten zu bleiben, recht schnell in einem Desaster endeten. Verlorene Erinnerungen, ein hohes Maß an Kopfschmerz und in der Rückschau wenig Freude weil wenig Erinnerung lautete nicht selten das Ergebnis.

Zurück in den Workshop

Jenes „Gas“ gaben nun auch die „Silberrücken, denen daran gelegen war, möglichst ausdrücklich, schnell und deutlich zu platzieren, was sie denn zu sagen hatten.

Je länger der Tag fort schritt, desto mehr drängte sich mir das Bild eines Reißverschlussverkehrs auf, in dem es darum geht, ja eine Lücke zu finden, um einzufädeln. Wenn manchmal auch viel zu früh. Die Frage „aus welchen Gründen hört man eigentlich zu?“ ließ mir keine Ruhe mehr.

Und mir kamen 2 Antworten in den Sinn:

  1. Ich höre zu, um ja abzupassen, wann der Gesprächspartner eine Atempause macht, damit ich dann mit meinen geistreichen Gedanken „einfädeln“ , sprich ihm ins Wort fallen kann.
  2. Ich höre zu um des Zuhörers Willen und versuche, das Gute, das Starke und das zu würdigende des Gesagten zu erkennen und wirklich zu verstehen.

Rückblickend bemerkte ich, dass meine besten Ideen eigentlich beim Zuhören entstanden sind. Selten sind sie, da will ich ehrlich sein, auf meinem puren eigenen Mist gewachsen.

Und so formulierte ich meine Wahrnehmung gegenüber der Silberrücken. Nämlich dass ich das Gefühl hatte, ich sei hier als Moderator der Regisseur einer Aufführung und dummerweise seien 8 Hauptdarsteller engagiert worden, die alle darauf drängen, auf die Bühne zu springen, um ja das meiste Scheinwerferlicht abzubekommen. Oder den meisten Applaus?

Kurz, wäre ich nicht fast 1,90 m groß und hätte ein lautes Organ oder gar ein zart besaitetes Wesen, ich wäre untergegangen. Auch diesen Eindruck sprach ich offen aus.

Einmal hörte ich mich sogar einem weiteren Unterbrecher Ende 50 sagen – es war eher ein Rufen – „halt jetzt spreche ich“. Wo war ich hier?

Ein anders Bild. Ich sah mich als Tontechniker in einem Studio, in dem alle Musiker einer Band den Anspruch hatten, die lautesten zu sein. Letztlich teilte ich auch dieses Bild und wir begonnen auf meine Intervention, denn ich war zum Glück der engagierte Coach des Tages, damit zu arbeiten.

Ich bat alle, sich einmal an das „Mischpult“ des Teams zu begeben und mir 2 Fragen zu beantworten, die wir dann in einer Feedbackrunde laut vor allen beantworten wollten.

  1. Als wie laut nimmst du Teammitglied a bis z auf einer Skala von 1 bis 10 wahr? Wo steht der Lautstärkeregler.
  2. Welche Lautstärke würdest du dir für Teammitglied a bis z wünschen, wenn du es einfach so regeln könntest. Würdest du dimmen oder hochregeln?

Beides teilten wir in der ganzen Runde und es gab erstaunlich Erkenntnisse. Einige davon hier nun zusammengefasst:

  • „Feedback tut nicht weh, sobald ein diesbezüglicher Wunsch formuliert wird. Wenn sich ein anderer von mir wünscht, ich solle mich mehr oder weniger beteiligen, so mag das auch mal kritisch sein aber am Ende bleibt der Schmerz aus.
  • „Ich nehme mich ganz anders wahr als es die anderen tun. Es gibt hierbei kein Wahr oder Unwahr sondern nur Versionen/Wahrnehmungen. Sprich, wie so oft keine objektive Wahrheit“. Die Gehörte Rückmeldung kann nur helfen und zum Reflektieren anregen.
  • „Ein Kollege wurde vom Chef in der Runde ganz anders wahrgenommen als von allen anderen.“ Das war besonders interessant, denn es belegte für mich, was ich in einem Vortrag eines Hirnforschers gelernt habe. „Ist der Chef im Raum -so belegen Hirnscans- steht unser Gehirn unter Stress. Daraufhin verhalten sich Menschen anders als ohne die Anwesenheit des Chefs“ Dies erklärte mir auf ganz logische Weise, warum der Chef eben jenen Kollegen als leise empfand, der von den anderen doch als so laut empfunden wurde. Der Chef konnte ja nicht wahrnehmen was passiert, wenn er eben fehlte.

Letztere Tatsache untermauert ein Erfahrung aus meiner Coachingausbildung:

Ein Mensch ist nichts per se. Er verhält sich. Und eben jenes Verhalten ist kontextabhängig. Mal laut mal leise, mal geduldig, mal ungeduldig. Das zu wissen, entspannt aus meiner Sicht.

Als wir nun in der Runde reflektierten, was wir soeben erstaunliches erfahren und erlebt hatten, entstand die so zieldienliche Teamvereinbarung, von der ich eingangs sprach.

Die Priorität unsere Kommunikation liegt im Zuhören, nicht im Reden. Mit dieser Haltung gestalten wir unsere Diskussionskultur.

Fragen also auch wir uns, bevor wir etwas hinaus posaunen.

  • Ist es wirklich wichtig?
  • Ist es interessant oder relevant?
  • Muss es sein?

 

 

Werbeanzeigen

You give them the best of you, but we get the rest of you!

Ü

Dieses Zitat stammt aus einem hochkarätig besetzten Hollywood-Streifen, in dem sich eine Ehefrau bei ihrem Mann beschwert, dass die Kinder quasi ohne Vater aufwachsen und auch sie ihren Mann im Grunde nie zu Gesicht bekommt, da er sich übermäßig viel um seine Karriere kümmert.

Im gerade erscheinenden Film „The Mule“ beschreibt es Clint Eastwood als verlassener Ehemann, dessen Familie ihn aufgrund seiner Arbeitssucht verstoßen hat, so:

„Ich habe immer versucht, da draußen jemand zu sein, während ich zuhause als Vater ein Versager war“.

Ich denke, so oder ähnlich geht es in Familien zu, wobei viele Männer ihr Verhalten damit rechtfertigen, dass sie doch auf diese Weise für die Familie da seien, indem sie finanziell für diese sorgen, und das teils wirklich mehr als gut.

Auch ein Freund entgegnete mir nach der Geburt seine Tochter so, dass er nun eine besondere Verantwortung spüre und daher in das Management Programm seines Konzern einsteigen wolle, um noch mehr Geld zu verdienen. Künftig würden also Überstunden zur Tagesordnung gehören, nicht mehr abgebummelt werden können und die 60 Stunden Woche zum Standard werden.

„Was denn seine Tochter (1 Jahr alt) von seinem Konto hätte, während er abwesend sei“, fragte ich ihn. Er wusste keine Antwort und ich hoffe bis heute, dass ihn diese Tatsache zum Nachdenken anregte.

Denn wie es Steve Jobs am Ende seines Lebens sagte, welcher in seiner Biografie als familienfeindlich galt und seine Tochter von Sozialhilfe leben ließ:

„Unser Vermögen können wir am Ende nicht mit ins Grab nehmen. Jedoch die Erinnerungen an die Zeit mit unseren lieben Menschen sowie an Momente der Freundschaft, Zuneigung und des Zusammenseins.“

Die Idee zu meinem heutigen Artikel lieferte mir ein lieber Coachee, der mir berichtete, dass er sein Jahren sein Privatleben wegschmeiße, indem er sich immer mehr zurückziehe. Erste Anzeichen einer depressiven Erkrankung machen sich bemerkbar. Überforderung und und Isolation, Tablettennahme und Ängste nannte er sein eigen.

Wir führten darauf ein ziemlich intensives Gespräch, indem ich ihn fragte, wieso er bei der Arbeit alles gab und sich im Privaten schon von der Beantwortung eines Briefes überfordert sah. Seine Antwort: „Hier bei der Arbeit muss ich ja funktionieren“

Dies machte mich sehr betroffen und ich fragte mich, wie lange er das wohl noch durchhalte. Zum Glück versicherte er mir, dass er schon in Beratung sei. So hätte ich das wohl nicht stehen lassen können.

In unserem Gespräch tauschten wir uns  über Fragen aus, die ich hier und heute teilen möchte:

  • Wo tankst du Energie?
  • Wie belohnst du dich auch im Alltag ohne erst eine Riesenleistung gebracht zu haben?
  • Welche Menschen geben die Kraft und bekommst du sie häufig genug zu Gesicht?
  • Wie sehr bemühst du dich um wertvolle Zeit mit ihnen?
  • Wie sehr achtest du auf dich und deine Grenzen?
  • Wie steht es um deine Gesundheit und wie sehr achtest du auf die Zeichen deines Körpers und deiner Psyche?
  • Wie gut steht es um d/einen erholsamen Schlaf?
  • Wenn dein Geld bzw Bankkonto sprechen könnte und über Eure Beziehung zueinander berichten könnte…Was würde es erzählen?

Sind wir mal ehrlich, das Leben ist im engsten Sinne lebensgefährlich

Happiniess

Den heutigen Artikel möchte ich ein paar tollen Menschen widmen, die ich in vorweihnachtlicher Stimmung und nach über 8 Jahren in einem Hamburger Restaurant wiedersehen durfte.

Meinem alten Fielmann Team.

Vor einigen Monaten trat ich mit einer lieben Kollegen aus der Vergangenheit in Kontakt und es dauerte nicht lang, bis bei mir die Frage aufkeimte:

..wen möchtest du eigentlich gern mal wiedersehen?

 Da besagte Kollegin und ich einen besonders schönen Austausch hatten, habe ich mich direkt dazu entschlossen, in einer kleinen Umfrage einen Termin zu finden, an dem wir uns im vertrauten Rahmen – Hamburg Eimsbüttel – zu einem Wiedersehen treffen könnten.

Nun wo der Abend vorbei ist, bin ich sehr bewegt, denn er hat meine Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen. So schön war es doch zu sehen, wie sich manche weiterentwickelt haben oder dass es ihnen einfach gut geht. Der Abend, bestehend aus 11 Kollegen war herzerwärmend. Viel haben wir über Anekdoten und verrückte Kunden der Vergangenheit gelacht.

Dafür möchte ich Danke sagen, in der Hoffnung, dass wir vielleicht im Sommer ein weiteres Wiedersehen organisieren können. Eines hat mich sehr beeindruckt. Das sofort wieder auftretende Teamgefühl und die Gewissheit, dass sich einige wirklich über hunderte Kilometer auf den Weg gemacht haben, um meiner „Einladung“ zu folgen. Was Freiwilligkeit doch so bewirken kann, dachte ich mir.

Und dieses erfüllende Gefühl möchte ich nun nutzen, denn es hat mich einmal mehr gezeigt, was das System F…, aus dem wir alle stammen, mit den Menschen macht. So ist es mir Bedürfnis, wie oben beschrieben, diesen Artikel all denen zu widmen, die sich noch im System befinden und vielleicht einfach nicht wissen, was danach kommen könnte, so sie sich denn lösen könnten.

Sähe die richtigen Fragen und du wirst die nötigen Antworten für deine Veränderung ernten!

Mit diesem Satz möchte ich das beginnen, was es aus meiner Sicht braucht, um Montage mit Dankbarkeit zu sehen statt mit Frust und Furcht vor der neuen Woche. Denn nicht Montage sind scheiße, sondern Jobs.

Ich habe in den vergangenen Jahren nach meinem Ausstieg  2011 am eigenen Leibe lernen dürfen, dass es einfach die richtigen Fragen braucht im Leben. Im Idealfall braucht die Antwort ein wenig, denn dann sind wir im Begriff etwas Neues über uns zu lernen. Kommt die Antwort sofort, ist das schön, birgt jedoch unter Umständen nichts Neues. Bemerken wir jedoch, dass uns keine Antwort kommt, so darf ich vergewissern, dass unser Unterbewusstsein die Frage dennoch und sehr wohl verarbeiten und uns die Antwort senden wird.

Im Artikel möchte ich heute also ganz zum Schluss jene Fragen stellen, die eben auch mir geholfen haben, um mich und meinen Kern um Wünsche, Träume, Antreiber und eben jene in mir liegenden Ressourcen kennenzulernen, die dazu nötig waren, um das zu leben, was ich heute meinen verwirklichten Traum nenne.

Ein Arbeitsleben, wo es eben um meine Träume und Ziele geht und nicht ums Aufhören und das Wochenende. Denn wenn wir gefunden haben, was uns erfüllt, so geht es nicht mehr ums Aufhören sondern ums Tun. Nur so konnte beispielsweise mein Buch entstehen. Es ging immer um das Schreiben, das Buch war nur das Ergebnis.  Was ich sagen möchte ist im Grunde das, was der Sänger Wolfgang Niedeken nach einem schweren Schlaganfall einst zu seiner Tochter sagte:

 „Du musst die Energie aus dem ziehen, was du tust. Nicht aus dem, was du dafür bekommst“

Berühmtheiten wie Karl Lagerfeld bestätigen dies mit einer Aussage, die da heißt

„wer tut, was er liebt, der arbeitet nicht mehr“

 Lasst uns also alle zu denen werden, die für ein Ziel und einen Traum arbeiten, anstatt für den eines anderen. Lasst uns Erfüllung finden, indem was wir tun und wir brauchen keine Wecker mehr, die uns aus dem Bett zwingen.

Damit dies gelingen kann, ist es nötig, bestimmte Dinge über sich zu wissen und herauszufinden. Und so möchte ich nun zu einigen Fragen überleiten , die Euch hoffentlich einen Schritt weiterbringen in Richtung „berufliches Glück“.

Glück, und dieses Wissen kann sehr entspannen, ist aus Sicht der Wissenschaft der positiven Psychologie im Übrigen nicht mehr und nicht weniger als die Anwesenheit von drei Dingen:

Wohlbefinden

Zuversicht

Zufriedenheit

Frage Dich doch einmal, und damit geht die Fragerunde los:

  • Fühle ich Wohlbefinden, Zuversicht und Zufriedenheit? Wenn ja, bist du aus Sicht der Psychologie glücklich J

Nun aber ans Eingemachte. Finde einmal heraus:

 

  • Wenn du zu müde für alles andere bist, wofür ist dennoch Kraft und Lust?
  • Wenn du dein Geld wie deine Zeit behandeln würdest. Wo würdest du finanziell stehen?
  • Wenn du einmal in den Ruhestand gehst, was soll dein Geschenk an deine Mitmenschen gewesen sein?
  • Wann warst du beruflich am zufriedensten? Was war da wie?
  • Worüber könntest du Tag und Nacht reden?
  • Welche sind die Charaktereigenschaften, die du an dir schätzt?
  • Wofür hast du immer besonders viel Energie gehabt?
  • Was würdest du tun, wenn es keine Angst gäbe?
  • Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle mehr spielen würde?
  • Welches Ehrenamt würde dich reizen, so du dir eins aussuchen wolltest?
  • Zu welchen Tages- (oder Nacht-) zeiten verspürst du am meisten Energie und Tatkraft wie Kreativität?
  • Wie viel Zeit hast du, mal rein geschätzt, noch in der Arbeitswelt und wem möchtest du sie künftig eigentlich widmen?
  • Was möchtest du in der Lebensrückschau am Ende mal über dein Berufsleben sage können?
  • Was würde der/die 5jährige in dir (dein inneres Kind) zu deinem Job heute sagen?
  • Wozu bist du dir selbst verpflichtet?
  • Ist es möglich, dass jemand nicht möchte, dass du beruflich zufrieden wirst?
  • Warum solltest du dein „Problem“ – falls du eines hast – behalten?
  • Wie wichtig findest du den Zusammenhang aus beruflicher Zufriedenheit und seelischer Gesundheit?

Ich möchte dich heute dazu einladen, dass du dir einmal genügend Zeit nimmst, Stift und Papier greifst, eine schöne Musik auflegst, um bei besinnlicher Stimmung mit einem schönen Getränk über meine Fragen nachzudenken und deine persönlichen Antworten aufzuschreiben.

Auch lade ich dich dazu ein, deine Fragen – so du denn möchtest – einmal in Ruhe mit mir zu diskutieren, wenn sie denn etwas in die ausgelöst haben, was vielleicht einen neuen Schritt erfordert oder möglich macht.

Schließen möchte ich heute mit 2 Zitaten der prominenten Herren Buffet und Reeves, die da sagten:

Schöne Taten aufschieben ist wie Sex fürs Alter aufsparen. Niemand von uns wird den Planeten lebendig verlassen. Überlege dir also gut, wem du deine Zeit schenkst, denn das Leben ist lebensgefährlich und wie es endet, wissen wir alle.

Auf dem Jakobsweg begegnen sich 2 Wanderer. Der eine fröhlich pfeifend. Der andere ächtzend und schwitzend unter der schweren Last seines gigantischen Rucksacks. „Was trägst du denn da so schwer in deinem unglaublich großen Rucksack?“ fragt der fröhliche Wanderer den anderen. „Meine Vergangenheit“ ächzt dieser und kann vor Atemnot kaum sprechen. Der pfeifende Wanderer kommt aus dem Staunen nicht mehr raus und ihm bleibt nur eine Frage:

Wäre es nicht an der Zeit, deinen Rucksack abzusetzen?“

 Von Herzen alles Liebe. Euer Christoph

 

Vorsicht Glaubenssatz – Wie gut gemeintes in unserer Kindheit zur Blockade für Glück wie Erfolg werden kann und wie wir diese lösen…

AAKid

Ich weiß nicht, wie viele Eltern und Großeltern uns Zitate und Lebensweisheiten eingebleut haben als wir kleine und besonders empfänglich waren.
Manche oder alle dieser Glaubenssätze, und so möchte ich sie ab nun nennen, haben viel mit uns gemacht. Ein Beispiel dafür möchte ich heute besonders beleuchten und es soll durch meinen Beitrag offensichtlich werden, warum es Sinn macht, sich dieser Glaubenssätze bewusst zu werden. Denn auch wenn wir über viele Schmunzeln. Oft sind sie doch zum inneren Betriebssystem geworden. Unbewusst und fest verankert bestimmen sie unser Verhalten, obwohl wir uns dieser Programmierung gar nicht bewusst sind.

Ein Beispiel:

Matthias wuchs bei seinen Großeltern auf, da seine Eltern sich früh trennten, sein Vater ins Ausland ging, die Familie allein ließ und die Mutter leider viel zu früh verstarb. Nun war es so, dass Matthias Erziehungsberechtigte, seine Großeltern im Krieg lebten und in schlimmen Zeiten nur knapp dem Hungertod entgangen sind. Man kann nur nachvollziehen, dass diese Erfahrungen sie so sehr geprägt haben, dass sie eine ganz besondere Beziehung zum Thema „Essen und Lebensmittel“ entwickelt haben. Und so vermitteln sie es nach bestem Wissen und Gewissen ihrem Enkel Matthias. Sätze wie..

„Iss auf, wer weiß, wann es wieder etwas gibt“ oder „lieber mit den Magen verrenken als dem Wirt was schenken“

werden fortan zum festen Bestandteil einer jeden Mahlzeit, die die Drei gemeinsam einnehmen. So lernt Matthias Tag für Tag, dass aufgegessen werden muss. Komme, was da wolle. Ob hungrig oder nicht. Ohne es zu ahnen verliert Matthias so immer mehr eine funktionierende Wahrnehmung für die Gefühle Hunger und Satt. Viel zu stark ist der aus der Kindheit stammende Befehl „iss auf“ und steuert Matthias Essverhalten mehr und mehr auf ungesunde Weise.

Nicht lange lässt das Übergewicht auf sich warten und völlig ohne es zu bemerken, werden die oben genannten Glaubenssätze zum immer laufenden Betriebssystem. Aufessen um jeden Preis, wann immer es etwas gibt, bestimmt Matthias Leben fortan. Das entstandene Übergewicht wird zum Problem. Zwar ist Matthias keiner von den Menschen, die unter Bluthochdruck und Gelenkschmerzen leiden (noch nicht). Aber ein ganz anderes Problem ergibt sich für ihn. Matthias hat es schwer, Frauen kennenzulernen, geschweige denn anzusprechen. Eine Beziehung ist für ihn auch Anfang 20 noch in weiter Ferne. Alle Versuche abzunehmen schlagen Fehl. Was ihm nicht bewusst ist. Sein Betriebsprogramm, welches ihm nach wie vor und immer befiehlt zu essen und vor allem aufzuessen. An dieser Stelle möchte ich den Fortgang dieser Geschichte Ihrer Fantasie überlassen und in den „Lösungsmodus“ wechseln.

Fokussieren möchte ich mich dabei als systemischer Coach natürlich auf das Finden von Lösungen. Denn darauf fokussieren wir uns in der systemischen Arbeit! Wir beleuchten die Zukunft also das..

  • wie soll es künftig sein?
  • wie sieht es ohne das Problem aus?
  • wie kommen wir dahin?

Steve de Shazer, ein großer Vordenker in Sachen systemischer Beratung prägte den Satz:

Der Lösung ist egal, woher das Problem kommt!

Und so halten wir es dann auch mit unserer Arbeitshaltung. Wir halten uns nicht mit Schuld und Ursachen auf, sondern mit Lösungen, der Zukunft und Wegen dort hin.

Dennoch, um die Brücke zurück zu unseren Glaubenssätzen zu schlagen, ist es sehr hilfreich, sich seinen inneren Überzeugungen bewusst zu werden. Beeinflußen sie unser Tun, Denken und Verhalten doch so sehr.

Zurück zu Matthias, um im Lösungsmodus den weiteren Verlauf der Dinge zu verdeutlichen. Da Matthias nicht ganz frei erfunden ist, möchte ich berichten, was für Ihn zur Lösung wurde. Durch Umwege und Zufälle gelang Matthias eines Tages zu mir, seinem systemischen Coach. Sein Thema: Die Gewichtsproblematik. Ohne in Stunde Eins zu wissen, denn ich fragte ja auch nicht danach, woher das Problem kommt, haben wir uns direkt damit auseinander gesetzt, was anders wäre, wenn sein Problem gelöst sei. Nach ausführlich erarbeitetem Ziel, einem Leben mit Normalgewicht und dem dadurch gefundenen Selbstvertrauen, auf Frauen zuzugehen, widmeten wir uns im Anschluss sofort dem Weg zur Lösung. Dabei möchte ich besonders auf eine Frage eingehen, die für Matthias und mich den Knoten löste. Die Frage lautete:

Wenn dein Übergewicht sprechen könnte, was würde es berichten?

Hierauf folgte, wie so oft im Coaching, Schweigen. Hielt ich dies vor meiner systemischen Ausbildung noch für das Ergebnis einer schlechten Frage, so weiß ich heute mehr darüber und deute das Nichtwissen einer Antwort so, dass der Klient im Begriff ist, etwas neues über sich zu entdecken und zu lernen. Mittlerweile darf ich ein Schweigen auf eine systemische Frage also mit Freude erleben. Gerne vergleiche ich Coachinginterventionen mit dem Spiel „Schiffe versenken“. Man probiert viel, vieles geht daneben und manches ist eben ein Volltreffer. Auf diese Momente steuern wir in der Beratung ohne Ratschlag – so lässt sich Coaching ideal beschreiben – hin.

Und eben diesen Volltreffer konnten wir bei Matthias mit der eben genannten Frage landen. Umso erstaunlicher war seine Antwort und damit seine gewonnene Selbsterkenntnis. Diese war so beeindruckend und erklärend zugleich, dass sich eine weitere sehr hilfreiche zugleich erschloss:

Was ist das Gute am Problem und welchen Grund kann es geben, es zu behalten? Was tut es FÜR Dich?

Matthias berichtete mir nämlich, dass sein Übergewicht ihn vor schmerzlichen Erfahrungen schütze. Dazu muss man sagen, dass der junge Mann Mitte 30 ohnehin sehr reflektiert war. Er berichtete mir auf mein Nachfragen, wie er das meine, dass seine Erinnerungen an den Verlust der Mutter im Vorschulalter so schmerzhaft waren, dass er sich als Kind schwor, diese Gefühle nie wieder erleben zu wollen. Ein Teil diese Lösung brachte nur eben auch die längst verdrängte Entscheidung mit sich, sich nicht auf Frauen einzulassen. Denn eine weitere Trennung von einer solchen würde Matthias -wie damals- in schier unüberwindbare Gefühlsnot bringen. Und nun schließt sich der Kreis. Auf der Verhaltensebene war das Übergewicht eine ganz pragmatische Lösung, um sich Frauen im wahrsten Sinne „vom Leib“ zu halten. Dass die Ursache in Teilen bei seinen Großeltern lag, war eine Erkenntnis, die wir nebenbei und durch andere Übungen aufdeckten, aber wie erwähnt, sind diese wichtige Erkenntnisse und erleichtern sicher die Lösung. Sie sind jedoch nicht von all zu großer Bedeutung.

Wie dieses Beispiel zeigt, sind unsere Themen sehr verzahnt und vieles hängt mit vielem zusammen. Doch systemische Interventionen, wie eben beschriebene Fragen, können Licht ins Dunkel bringen und ganz lösungsorientiert einen alten Knoten zum erweichen und letztlich zur Lösung bringen.

In Matthias Fall bedeutete dies, wie so oft, dass sich hinter dem eigentlich gedachten Thema – dem Übergewicht – noch viel mehr verbarg, was es anzugehen gilt. Und das ist etwas, dass wir Coaches und Berater sehr häufig erleben. Der Kern der Sache liegt oft tiefer begraben und zeigt sich nicht in Sitzung 1.

Da ich bekennender Fan von systemischer Arbeit und Interventionen bin, möchte ich anschließend und wie so oft, ein paar Fragen stellen, die auch Sie vielleicht auf einen neuen Weg bringen können. Zu diesen hat mich eine Klientin inspiriert, die mir zeigte, wie wichtig es ist, sich klar zu werden, wie einfach Entscheidungen manchmal sind, so man nur eine neue Sicht auf die Dinge bekommt. Sie berichtete von einem 2 tägigen Seminar, dass sehr teuer war und nach Tag 1 hat sie enttäuscht beschlossen, abzureisen. Sie erklärte mir, dass wahrscheinlich sehr viele Menschen, wie in einem schlechten Kinofilm, bis zum Ende geblieben wären aber ihr wurde klar,

dein Geld haben sie eh schon. Sollen sie nun auch noch Deine Zeit bekommen?

Mich hat das so positiv beeindruckt, dass sich meine abschließenden Fragen heute um das Thema „Zeit“ und wie wir damit umgehen, drehen sollen.

Los gehts:

  • Wenn du dein Geld wie deine Zeit behandeln würdest. Wie wäre es um dein Bankkonto bestellt?
  • Wenn wir geboren werden, haben wir alle ein Konto voller Zeit. Den Kontostand kennen wir nicht. Fakt ist nur, wir müssen alles ausgeben. Wem oder was schenkst du deine Zeit? Bedenke dabei. Niemand von uns wird den Planeten lebendig verlassen.
  • Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

Einen schönen Start in die Woche!

Wenn das Impediment den ScrumMaster entfernt – Wie weit bist du bereit zu gehen?

Wallace

Namenhafte ScrumPioniere sagten einmal, der ScrumMaster müsse bereit sein, seinen Job oder seine Beauftragung zu riskieren, um die nötige Veränderung im Sinne der Vision voran zu treiben.

Auch deshalb lohnt sich für Projektleiter oder Manager oft der Einsatz von externen ScrumMastern. Denn, und das ist eine Hypothese

  • Sie haben mehr Mut
  • Sie „müssen“ nicht vom Vorgesetzten im Projektumfeld „geliebt“ werden
  • Ihre Karriere im Unternehmen hängt nicht vom Handeln ab
  • Sie bringen einen frischen Blick mit in das Unternehmen
  • Sie bringen externe Erfahrungen und „good practices“ mit in das Projekt ein.

Es hat also Vorteile, einen externen Berater als ScrumMaster oder agile Coach zu beauftragen. Natürlich ist das die rein positive Sicht auf solch eine Entscheidung.

Heute soll es sich, wie in der Überschrift schon erwähnt, um die Frage drehen:

„Wie weit würdest du gehen?“, um agile Prinzipien und Werte oder gar menschliche zu schützen. Wie weit würdest du gehen, um nötige Veränderungen, die für ein Projektgelingen sein müssen, voranzutreiben?

  • Würdest du deine Beauftragung riskieren?
  • Wie würdest du in Bezug auf diese Frage handeln, wenn ein „nicht handeln“ bedeuten würde, dass du auch deine Werte verletzen würdest und am Ende vielleicht nicht mehr so recht in den Spiegel schauen könntest?
  • Was passiert, wenn nichts passiert?

 Zumindest die letzte Frage kann ich, wenn auch etwas verallgemeinernd, beantworten.

Ein ScrumMaster, der in Sachen Impediment nicht handelt, muss sich über kurz oder lang die Frage gefallen lassen, ob er denn seinen Job richtig macht. In meiner allerersten Beauftragung eines Schweizer Großprojekts der MedTech Branche ist mir genau das passiert und aus heutiger Sicht behaupte ich:

„Wenn das passiert, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, denn wahrscheinlich ist schon ein recht langer Zeitraum vergangen bis jemand sich durchringen konnte, dir diese Frage zu stellen.“

Sei also mal ganz ehrlich mit dir allein und beantworte dir zunächst im Stillen folgende Fragen:

  • Wo und in welchen Zusammenhängen wartest du schon zu lange ab?
  • In welchen Zusammenhängen lässt du im Grunde nur noch das Prinzip Hoffnung walten?
  • Was wärest du gern einfach los, was sich aber sicher nicht von allein und durch Aussitzen löst?
  • Ist es möglich, dass sich bereits jemand wundert, dass du keine Schritte zur Lösung eines Konflikts oder Impediments gehst?
  • Ist dir deine Rolle oder Beauftragung wichtiger als das Wohl des Teams oder der Erfolg des Projekts?

Mein erster ScrumTrainer und ehemaliger Lead „Boris Gloger sagte einmal:

„Ein guter ScrumMaster muss mindestens einmal aus einem Projekt geflogen sein, wenn er seine Rolle ernst nimmt und entsprechend ausfüllt“

Ich kann etwas damit anfangen, bedeutet es doch eventuell, sich mit einer Dunkelziffer an Projektbeteiligten auseinanderzusetzen, die wie in jedem anderen Kontext auch – und so viel ist mittlerweile durch Experten erwiesen – narzisstisch oder gar psychopathisch, also „Empathie Frei“ und manipulativ auftritt, um die eigene Agenda und Karriere maximal durchzusetzen.

So viel sei vielleicht noch als Anregung bemerkt. Wenn du merkst, dass du nicht mehr einfach nur zuschauen kannst, so solltest du handeln. Komme, was wolle. Am Ende ist es deine Aufgabe, als ScrumMaster das Team zu schützen und alles Nötige zu entfernen, das den Projekterfolg be- oder verhindert. Nicht darf es jedoch sein, dass man dir nachsagt, du hättest nur zugeschaut. Frage dich vielleicht einmal :

  • Was würdest du tun, wenn es keine Angst gäbe?
  • Was würdest du tun, wenn Geld für dich keine Rolle spielen würde?
  • Was würdest du tun, wenn deine Karriere ungefährdet bliebe?
  • Und wer würdest du sein, wenn du für niemanden jemand sein müsstest?

Abschließend möchte ich einen für mich passend Vergleich zum schottischen Freiheitskämpfer William Wallace herstellen, den viele von uns aus dem Filmklassiker Braveheart kennen und der für das „Prinzip Freiheit“ sein Leben riskiert und verloren hat.

William Wallace war es, der sagte:

„Sie können uns unser Leben neben, nicht aber unsere Freiheit. Dein Herz ist bereits frei. Habe also den Mut ihm zu folgen, solltest du auch dein Leben lassen“

 Dies lässt sich ganz wunderbar auf die ScrumMaster Rolle übertragen.

Wie weit würdest du für die Einhaltung von Prinzipien und Werten gehen?

 

 

 

 

 

Keine Angst! Der tut nix!

tutnix

Heute möchte ich über ein Phänomen schreiben, dass mit der Rolle des ScrumMasters scheinbar untrennbar einhergeht. Nämlich die Frage:

Was macht der eigentlich den ganzen Tag? Der entwickelt doch nicht!“

Oft ist das Kind aus meiner Sicht schon in den Brunnen gefallen, wenn es zu dieser Frage kommt. Der neue ScrumMaster hat eine gewisse Karenzzeit, wie ich sie gerne nenne. In dieser erhält er einen Vertrauensvorschuss vom Vorgesetzten oder Auftraggeber und kann mehr oder weniger tun, was er will. Dieser geschützte Zeitraum variiert natürlich in seiner Länge abhängig von verschiedensten Faktoren. Der ScrumMaster solle sich nur bewusst sein, dass unangenehme Fragen nicht sofort gestellt werden, sondern erst nach reiflicher Überlegung. Insbesondere die Frage danach, was er denn den ganzen Tag so tue. Selbst wenn er nun fleißig wie kein zweiter ist, sein Tun jedoch nicht sichtbar macht, so wird irgendwann – und das sehr oft- oben genannte Frage laut. Ein erster Rat für die neuen Kollegen lautet also eindeutig:

Mache immer und sofort sichtbar, woran du arbeitest und das ständig und ungefragt. Die anderen Teammitglieder informieren immerhin im Daily auch auf täglicher Basis, woran sie gerade arbeiten. Am dienlichsten ist dazu aus meiner Sicht ein ScrumMaster Bord an der Wand. Für jeden ersichtlich. Darüber hinaus kannst du ungefragt zum Wochenende die Projekthighlights, neue Impediments und Learnings aus der Woche in einen Newsletter schreiben und diesen an einen Kreis deiner Wahl versenden. Alles nach dem Motto: Sichtbarkeit schafft Vertrauen.

Das Phänomen „Was tut der eigentlich den ganzen Tag“ hat aus meiner Sicht mittlerweile eine ganze Branche dazu gebracht, die Rolle des ScrumMasters nicht mehr für so wichtig zu halten. Immer wieder hört man Aussagen:

  • Ein ScrumMaster kann mehrere Teams übernehmen
  • Ein ScrumMaster in Teilzeit reicht uns
  • Der ScrumMaster kann ruhig überwiegend remote arbeiten
  • Die Aufgaben des ScrumMasters kann ein anderer zusätzlich übernehmen

Mit meinem heutigen Beitrag möchte ich einen Teil dazu beitragen, diesem Trend entgegenzuwirken. Schon in der Vergangenheit schrieb ich über den Nutzen eines Vollzeit ScrumMasters. Auch darüber, was er so tut, während die anderen coden, habe ich ausführlich erläutert.Heute möchte ich einmal anknüpfen und erklären, was ein ScrumMaster so macht, wenn es so aussieht als würde er nichts tun. Auch möchte ich betonen, dass es wichtig ist „Platz“ zu haben in seinem Zeitplan.

Flexibilität

Würdest Du dem Mitarbeiter am Postschalter vorwerfen, dass er so ausgelastet ist, dass er niemals Zeit für Dich hat? Ganz bestimmt. Denn du würdest deinen Platz in der Schlange behalten bis der Pfeffer wächst.

Würdest du ihm hingegen vorwerfen, wenn er auch mal 15 Minuten Ruhe hat und einfach „bereit und anwesend“ist, sprich flexibel genug seinen nächsten Kunden zu bedienen, der Du sein könntest? Sicher nicht.

Und das ist, worauf ich in diesem ersten Beispiel hinaus will. Ein guter ScrumMaster hat Platz in seinem Kalender um einsatzfähig zu sein für seinen nächsten Kunden, denn er ist der Dienstleister des Teams. Nicht umsonst sprechen wir beim Wort Servant Leadership vom „Dienen“…Wie soll das gehen, wenn er einfach ständig ausgelastet ist? Es bliebe schlicht keine Zeit, den nächsten Kunden zu bedienen und zu helfen.

Es gibt immerhin ganz Berufsgruppen, die dafür bezahlt werden, anwesend und einfach einsatzfähig zu sein. Im Idealfall bekommen diese Menschen ihr Geld, obwohl sie nicht mal ausrücken müssen, eeil es eben nicht brennt. Und glaubt mir, auch sie haben genug durch Fortbildung, Übungen und Wartung ihrer Gerätschaften zu tun.

Lernen

Wie im Beispiel eben erwähnt, haben nicht nur Feuerwehrleute und andere Berufsgruppen zu üben und zu trainieren. Nein, auch unsere technischen Experten in den Entwicklerteams trainieren. ZB in ihren Techtalks, Blogs oder durch KnowHow Sessions. So muss es auch ein ScrumMaster tun. Wie das im Alltag geht, ist trotz Google und Co gar nicht so leicht. Und dennoch muss er beim „Training on the job“ kreativ werden. Von außen fragt man sich vielleicht, was er eigentlich gerade tut. Vielleicht liest er diesen Artikel.

Beobachten und Wahrnehmen

Wer sich mal mit der Systemtheorie, Coaching und/oder Teambuilding auseinandergesetzt hat, der mag beurteilen können, wie komplex die erfolgreiche Zusammenarbeit verschiedenster Menschen wirklich ist. Um auch die Vorgänge im „Uhrwerk“ des Teams – ich mag diesen Ausdruck, denn es ist wichtig, dass ein Zahnrädchen zur richtigen Zeit in das richtige andere Zahnrädchen greift – zu verstehen und vor allem, positiv zu gestalten, bedarf es einer ausgeprägte Beobachtungs- und Wahrnehmungsgabe. Ein ScrumMaster, der ein Meister seines Fachs werden will, betreut nicht nur eine Gruppen Menschen, bucht Räume und holt den Beamer. Nein, er ist viel mehr als der Teamassistent. Er nimmt wahr beobachtet und stellt sich Fragen wie:

  • Wer gibt den Ton an?
  • Wer sollte „den Ball“ in unseren Diskussionen öfter bekommen?
  • Wie geht es den Menschen?
  • Wer braucht gerade was? Was braucht das Team?
  • Worüber sprechen die Kollegen in sachlichen Diskussionen? Über die Vergangenheit und Ursachen oder über Lösungen und die Zukunft?
  • Wie ist das Miteinander im Team? Herrscht Hilfbereitschaft und Alignement oder gibt es einen Experten und frustrierte „andere“?

Jedem ScrumMaster kann ich nur empfehlen, sein Team in einer Retrospektive einmal zu visualisieren und zu zeigen, warum er Beziehungen und Abhängigkeiten zueinander wie sieht. Das tun ihm alle gleich ohne voneinander abzuschauen. In anschließender Präsentation des eigenen Bildes vom Team werden offene Fragen wie die obigen diskutiert. Alles mit dem Ziel, das Miteinander zu verbessern.

Betrachte den ScrumMaster also einmal als den Leuchtturmwärter des Teams. Eine seiner Aufgaben ist „beobachten“. Von außen sieht das ziemlich untätig aus.

Ich gebe selbst zu, dass ich mich häufig sehr produktiv fühle, wenn ich von einem Meeting ins andere hetze und völlig umtriebig bin. Wenn ich dann jedoch abends schaue, was ich wirklich erledigt habe, ist das oft nicht viel. Warum fühle ich mich also produktiv, wenn ich nichts schaffe? Die Gründe sind vielfältig aber dieses Phänomen zeigt auch mir, dass der Kulturwandel, der mit der Einführung agiler Methodiken einher geht, auch nach 5 Jahren noch nicht restlos in mir angekommen ist. Das schlechte Gewissen, am Schreibtisch sitzend und nachdenkend aus dem Fenster zu schauen, um Dinge vorzubereiten oder zu lösen ist mir allzu geläufig. Am liebsten würde ich dann immer in die Tasten hauen. Denn wer tippt, der Arbeit doch, oder?!

Liebe Auftraggeber, Vorgesetzte, Team und Projektleiter. Bitte erinnert Euch. Wir arbeiten in einer Wissensbranche. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Wir können nichts tun, außer vertrauen, dass unsere Kollegen das Bestmögliche tun. Und sie tun es. Wenn wir den nötigen Rahmen schaffen. Die Wissenschaft beweist immer wieder. Man kann nicht sehen ob einer arbeitet, Code reviewed, seinen Urlaub plant oder an das letzte Wochenende denkt. Was wir aber können ist, Vertrauen üben und lernen. Ein Coach ist Euch behilflich, wenn es nicht so leicht von der Hand geht.

Macht Euch bewusst: Wer in der Zwangsjacke aus Regeln, Prozessen, Kontrollen und Misstrauen steckt, der sucht einen Ausweg und das ist das letzte, was wir alle wollen.

 

Wer immer nur Existenz sichert, kommt nicht zum Gestalten

SlumdoDas sind Neely und Apu. Vorab, die beiden haben aus indischer Sicht -ich habe selbst einen Monat dort verbracht – ein typisches Leben. Sie leben nicht in Armut aber sind aus unserer Sicht auch nicht weit davon entfernt. Ihr Leben ist vor allem von allem bestimmt, was es zu tun gibt, um die eigene Existenz zu sichern. Die Schul und Ausbildung, sprich die Weiterentwicklung bleibt da gehörig auf der Strecke. Somit fällt das „Gestalten“ des eigenen Lebens eher gering aus. Neely und Apu haben keine große Wahl, denn schon Maslow wusste: Ein Dach, Nahrung und die Sicherung der Existenz haben Vorrang vor Entwicklung und Selbstverwirklichung.

11377316_459324480913331_440804232_n

Das ist Klaus. Klaus ist Verwaltungsangestellter einer Stadt in Nordrhein Westfalen. Klaus wurde von seinen Eltern eingebläut, dass Sicherheit und ein geregeltes Einkommen das Wichtigste bei der Berufswahl ist. Schon Klaus Vater ist diesem Gebot stets gefolgt und hat 40 Jahre seines Lebens im öffentlichen Dienst verbracht. Da Klaus Eltern noch die letzten Jahre des 2. Weltkrieges miterleben mussten und vor allem kurz vor Kriegsende Hunger gelitten haben, ist dieses Konzept „Sicherheit“ damals durchaus nachvollziehbar gewesen. Auch, warum sie ihrem Sohn Klaus eingeschärft haben, für Sicherheit zu sorgen. Das Resultat:

Klaus Leben ist von allem bestimmt, was es zu tun gibt, um die eigene Existenz zu sichern. die Weiterentwicklung bleibt da gehörig auf der Strecke. Somit fällt das „Gestalten“ des eigenen Lebens eher gering aus. Ein Dach, Nahrung und die Sicherung der Existenz haben Vorrang vor Entwicklung und Selbstverwirklichung.

Bemerken Sie etwas?

Viele unserer Mitmenschen in vermeintlich sicheren Ländern der sogenannten „ersten Welt“ leben so, als würden sie in der dritten Welt leben. Existenzsicherung hat Vorrang vor allem anderen. Freude, Erfüllung, Kreativität, Erfüllung und Wachstum verkümmern. Mein Bekanntenkreis ist voller Menschen, die keine Zeit zum Gestalten haben, weil Sie teure Dinge bezahlen müssen, die sie angeschafft haben, weil der Job so viel frustet und man im „Kaufen“ wenigstens ein bisschen Freude empfindet. Das System funktioniert:-)…Die Politik ist stolz. So wenige Arbeitslose wie nie. Und wie viele Glückliche mögen wohl dabei sein? 😉 Man solle in der Tagesschau mal neben die Arbeitslosenquote die Zahl derer schreiben (ich weiß, eine Dunkelziffer), die innerlich gekündigt haben und somit potenziell arbeitssuchend sind.

DU4HpmTX0AEt2eF

 

kuendigung-DW-Wissenschaft-Wiesbaden-jpg

 

 

 

 

 

 

 

3 sichere Anzeichen, dass Du noch nicht am beruflichen Ziel bist, im Sinne erfüllender Arbeit

Hier ein kleiner Selbsttest. Wenn du diese Fragen innerlich bestätigend betrachtest, dann such dir einen Coach, der dir a) ein Bild davon vermitteln kann, wo deine Reise hingehen soll und b) einen Weg mit dir findet, dort hinzugelangen.

  1. Olympiade im Verpissen. Es gibt Weltmeister darin, ihre Arbeit nicht zu tun und damit zu prahlen, wie sie sich mal wieder gedrückt haben. Mein Highlight war ein Software Entwickler, der sich einen Bildchirmschohner gebaut hat, der so aussah, als würde er Code schreiben 🙂
  2. Darauf hinarbeiten, aufzuhören. Sinn des richtigen Jobs ist es nicht, ihn zu beenden
  3. Kopieren ist besser den lehren. Dies meine ich sinnbildlich und das Bild ist entstanden in meiner Schülerzeit, als es Lehrer bevorzugten zu kopieren statt zu unterrichten. Ich weiß, Ihr hattet alle so einen. 🙂

 

Vom Flüchtling zum Reisenden

Dieser Ausspruch ist sehr provokativ und polarisierend und ich entschuldige mich vorab bei all denen, die nun einen Anflug von Ärger verspüren. Dennoch möchte ich für den Moment an diesem Bild festhalten.

Viele Menschen, und auch ich tat das bis ich 30 Jahre alt war, flüchten aus einer Situation in die nächste in der Hoffnung, irgendwann (durch Zufall?) am richtigen Ort anzukommen. Ich flüchtete kurz vor dem Abi aus der Schule. Ich flüchtete aus meinem ersten Job in den Außendienst. Ich flüchtete aus diesem in ein Traineeprogramm zum Geschäftsführer, um dann spätestens alle 18 Monate aus meiner Niederlassung zu flüchten, bis ich schließlich müde im Sabatical landete und nach 15 Monaten und wieder ohne zu wissen, wo es hin gehen sollte, in einem neuen Job landete, der nun das „Heil“ bringen sollte. Hier habe ich gelernt:

Freimachen oder reisen ist schön, hilft aber allein nicht bei der Sinnsuche.

Dieser neue „Traumjob“ – so viel versprach er, denn ich war Verkaufsleiter für Nord und Südeuropa im Kontext von Konzertpianos – war so öde, dass ich wegen „Bore Out Gefahr“ nach 3 Monaten schlaflos kündigte ohne einen neuen Job zu haben.

Und jetzt hatte ich das größte Glück (neben meiner Gesundheit) meines Lebens.

Ich traf durch einen unglaublichen Zufall über meine liebe „Coachingtante“ auf einen Arbeitgeber, der alles veränderte und mir die Welt zeigte, in der ich heute erfüllt wirken darf.

Vom „Weg von“ zum „Hin zu“

Die Glücksforschung hat mittlerweile bewiesen, woran ich stark glaube. Ziele, die im Kontext eines „Hin zu“ stehen, machen nachhaltig zufriedener als jene die das „weniger von… oder „keine“…zum Ergebnis haben.

Keine Wartezeiten oder weniger unzufriedene Kunden sind eben solche Ziele.

Und hier kommt nun der Reisende ins Spiel.

Ein Reisender fühlt sich von seinem Ziel angezogen und selbst wenn er mit dem Rucksack unterwegs ist und viele Stationen bereist, so lässt er sich von einem „Hin zu“ oder „da will ich hin“ auf seinen Reisen leiten.

Und so sollte es auch in der folgenden Frage sein:

Welchem Arbeitgeber, welcher Organisation, welchen Kollegen und welcher Aufgabe möchte ich meine Zeit widmen?

Diese Fragen sollten wir uns unter anderem stellen bevor wir wählen.

Sei Reisender auf dem Weg „zu“ etwas und weniger Flüchtling, denn vielleicht erwischt dich der Zufall nicht…