Lieferung oder Anwesenheit – Was denn nun?

oped-biz-1546361616882

In meiner aktuellen Beauftragung als Coach und ScrumMaster fiel gestern der Satz in einem Meeting:

„Auch wir in der IT sind ein produzierendes Gewerbe“

Dieser hat mich dazu bewegt, einmal in Form dieses Blog Artikels darüber zu reflektieren, wie handwerkliche Betriebe – in diesem Fall augenoptische Fachgeschäfte – ihr Handwerksleistungen kalkulieren und was wir in der Wissensbranche, der IT darüber lernen können, Denn Fakt ist eines. Berater, Entwickler, Tester, Manager und andere Beteiligte in IT Projekten werden für Anwesenheit bezahlt. Die Leistung einzelner ist also wenn überhaupt nur sehr subjektiv und durch feedback bewertbar.

Im folgenden Beispiel werde ich nun also aufzeigen, wie ein Handwerksbetrieb eine Dienstleistung kalkuliert und wie das im Projektkontext der IT Branche aussehen würde. Dabei ist mir nicht wichtig, ob das realistisch oder anwendbar ist, sondern, ob wir etwas daraus lernen können.

Konkret. Ein augenoptisches Fachgeschäft berechnet seinem Kunden für eine Augenprüfung einen Preis von 50 € zzgl. 19% Mehrwertsteuer. Der Kunde zahlt also 69,50€. Dieses Vorgehen ist Gang und Gebe. Der Preis entsteht aus 2 simplen Überlegungen:

a) Was kostet eine durchschnittliche Arbeitsstunde eines Augenoptikermeisters, der zur Augenprüfung berechtig ist.

b) Wie lange dauert eine durchschnittliche Augenprüfung.

Letztlich gibt es in Betrieben – dies sind sehr wenige – eine Preisliste, die neben dem Verkaufspreis von Produkten wie Brillenfassungen oder Kontaktlinsen ganz klar ausweist, was die unterschiedlichen Dienstleistungen wie Generalüberholungen einer Brille, eine Augenprüfung oder das Richten einer Brille kostet. Hat man sich den Aufwand einmal gemacht, so darf man sicher sein, an dieser Stelle keinen Verlust zu machen. Die Tatsache, dass Fillialisten viele Dienstleistungen kostenlos anbieten und sich daher beim Kunden beliebt machen, lasse ich außen vor. Diese Marketingleistungen können sich kleine Betriebe schlichtweg nicht leisten.

Kommen wir zur IT. Hier läuft die Sache anders. Berater a oder Entwickler e haben einen Tagessatz und individuelle Leistungen sind alle inbegriffen. Eine Kalkulation findet nur in sofern statt, als dass sich die eingekauften Kollegen überlegen, was sie brauchen oder wollen und beauftragende Organisationen überlegen, was sie sich leisten wollen. Am Ende kommt es zum Vertrag, der neue Kollege ist anwesend und wenn es gut läuft sind am Ende alle zufrieden. Nun gibt es Rollen und Projektumfelder, da ist sehr klar, was jemand tut und sichtbar wird es noch dazu. Andererseits gibt es Rollen, wie zb die eines Beraters oder Projektmanagers, in denen ist im schlimmsten Fall überhaupt nicht klar, was der oder diejenige tut. Die Zufriedenheit der Beteiligten beruht also auf eher subjektiven Faktoren und persönlichen Eindrücken.

Was wäre nun also, würde sich ein Dienstleister in der IT Branche nicht für Anwesenheit – in der Regel 8 Stunden für vielleicht 800 € – sondern für Leistungen bezahlen lassen?

Spielen wir das doch einmal durch.

Typische Leistungen eines Beraters beispielsweise können sein:

  • Erstellen einer Power Point Präsentation
  • Vorbereitung eines Meetings
  • Moderation eines Meetings
  • Ein 1 zu 1 Beratungsgespräch
  • Schreiben einer Email
  • und vieles mehr

Schnell wird klar, dass eine email z.b sehr lang, aber auch sehr kurz sein kann. Ob wir uns nun für Durchschnittswerte bei der Einpreisung oder wie im Folgenden exakter versuchen zu kalkulieren, es entstehen interessante Gedankenspiele und Fragestellungen. Hier 3 Beispiele unserer oben genannten Dienstleistungen mit der Voraussetzung, dass alles einen kurzen, mittleren oder langen Zeitwert haben kann auf Basis des Berater-Stundensatzes von 100€/Stunde.

  • lange email (20 Minuten) = 33,33€
  • Moderation eines kurzen Meetings (15 Minuten) = 20 €
  • Erstellung einer Powerpoint Präsentation (3 Stunden) = 300 €

Am Ende des Tages trackt der Berater, was er heut geliefert hat. Da kommen schnell einige Posten zusammen. Kaufmännisch betrachtet könnte der Berater schnell merken, dass längere email Sinn machen als kurze oder große Powerpoint Präsentationen mehr Sinn machen als kleine.

Ist das aber im Sinne des Kunden?

Auch haben wie außer acht gelassen, dass in unserem Beispiel nur wirkliche Tätigkeiten bezahlt würden. Oder können Sie sich einen Posten vorstellen, der da lautet:

3 Stunden Gedanken gemacht = 300 €

Sicher ist, dass manche Menschen ausschließlich für gute Gedanken, ihre Ideen also bezahlt werden. Messbar ist diese Tätigkeit jedoch nicht. Vor allem kann kein Mensch dieser Erde verlangen und bewirken, dass gute Ideen nur am Schreibtisch der Projektfläche kommen. Es ist sogar eher unwahrscheinlich.

Warum wird also so viel Wert auf Anwesenheit gelegt?

Dass das im Sinne des Teamworks hier und da Sinn macht, ist ja klar. Bitte doch aber nicht verallgemeinern an der Stelle.

  • Kommen wir zu weiteren Beobachtungen, die ich durch Fragen äußern möchte:
  • Hat eine große Powerpoint Präsentation wirklich einen Wert von 300 €?
  • Wer will das beurteilen?
  • Gibt es vielleicht andere Perspektiven, die zu einer anderen Bewertung kommen?
  • Ist die große Powerpoint Präsentation genau so viel wert wie 9 lange emails?

Wie wir es auch drehen oder wenden. Die Kalkulation des Handwerkers auf die des Wissensarbeiters zu übertragen hat so keinen Zweck. Viel zu subjektiv ist der Wert der Lieferung. Der Wert also von email, Präsentation und Co. Im Handwerk selbst kann der Privatmann schon beurteilen, ob ihm ein neu abgedichtetes Rohr inklusive Material und Anfahrt des Handwerkers 400 € wert sind oder ob er gewillt ist, für die Augenprüfung 69.50 € auszugeben.

Aus Sicht des Beraters könnte ein solches Vorgehen sogar dazu führen, unsinnige emails zu schreiben (schließlich wird er dafür bezahlt) oder gar lange Meetings abzuhalten. Aus Sicht des Auftraggebers würde natürlich recht schnell klar, dass das keinen Sinn macht. Hoffentlich mit der Erkenntnis und darauf möchte ich hinaus:

  • Sie bekommen, was Sie belohnen

Leider gilt das – wie so vieles – natürlich nicht uneingeschränkt. So weiß die Forschung mittlerweile sehr genau, dass das schnelle Lösen eines Rätsel – die Lösung eines kniffligen Software Defects zb. – sogar länger dauert, wenn man es konkret und monetär belohnt. Im Buch Drive – welches ich an dieser Stelle dazu zum wiederholten Male empfehlen möchte – werden dieser Umstand und andere erstaunliche Effekte von Belohnungssystemen auf wunderbare ad absurdum geführt. So viel also zur Bezahlung von „Leistungen“. Schwierig. Wundern Sie sich also nicht, wenn ihre Belohungen und Incentives manchmal oder gar oft genau das Gegenteil dessen bewirken, was Sie sich wünschen.

Zurück zu unserem Beispiel. Wenn also die Bezahlung wirklicher Leistung im Sinne von Tätigkeiten nicht bezahlbar ist, besonders weil in der Wissensarbeit das „Gedanken machen“ eine riesige Leistung darstellt (erfahrene Entwickler berichteten mir in Interviews, dass sie in 60 % ihrer täglichen Arbeit denken und nur 40 % „tun“), dann können wir am Ende nur Anwesenheit bezahlen. So viel scheint klar. Wer sich nun aber mit Wissenschaft und Sinnhaftigkeit von purer Anwesenheit auseinander setzt, wird unumstößlich auf folgende Kenntnis stoßen. Der  Zwang zur Anwesenheit aufgrund des eigenen Misstrauens als Basis einer Haltung gegenüber Menschen wird ein besseres Gefühl erzeugen, bei weitem aber nicht bessere Ergebnisse bringen. Und so landen wir dort, wo alles beginnt. Bei der Haltung der Verantwortlichen. Und diese sollte auf Vertrauen ruhen. Prüfen Sie doch einmal für sich selbst.

Woran glauben Sie?

Menschen sind von Natur faul und müssen motiviert wir kontrolliert werden. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.

Oder

Menschen sind von Natur aus motiviert und müssen vor Demotivation geschützt werden. Kontrolle ist gut. Vertrauen ist besser

Wie auch immer Sie in diesem kleinen Experiment entschieden haben, für agilen Wandel braucht es Vertrauen. Und das beginnt nicht bei den anderen sondern bei uns/bei Ihnen selbst. Sollte Ihnen dies noch schwerfallen, so ist das vollkommen ok. Einsicht ist der erste Schritt. Wenn Sie Vertrauen neu lernen wollen, so denken Sie doch auch einmal darüber nach, ob Sie den agile Coach mal für sich persönlich einspannen. Bis dahin kann ich Ihnen folgende Fragen empfehlen:

  • Wann können Sie besonders vertrauen?
  • Was ist da anders?
  • Wann wurde Ihr Vertrauen schon einmal so richtig belohnt?
  • Wer vertraut Ihnen so richtig und wie erwidern sie das?
  • Was brächte Vertrauen Ihnen, wären Sie ab sofort vollumfänglich in der Lage.
  • Wenn alle weiter bisher arbeiteten, nur Ihr Vertrauen wäre vorhanden, was wäre dann anders?
  • Was würd aus Anspannungs- und Stresslevel werden, so sie „ganz und gar“ vertrauen könnten?

 

 

 

 

 

Wie du dir ein besserer Freund werden kannst und warum das so wichtig ist!

racquetsmash-1415106311

Dritter Satz 4:4 bei Aufschlag des Gegners. Du hast gerade den 3. Breakball in Folge mit einem Fehler vergeben und ein sehnsüchtiger und schmerzender Blick sucht deine Menschen außerhalb des Courts. Ein Blick, der zu sagen scheint:

„Bitte helft mir. Nehmt mir diesen Stress ab. Ich weiß nicht, wie ich dem standhalten soll und was passiert, sollte ich dieses eigentlich sicher geglaubte Match noch verlieren. Ich müsste aus dem Hotelzimmer raus. Der Weiterflug ist erst für in 4 Tagen gebucht und es ist eigentlich kein Geld mehr übrig diesen Monat für die zusätzlichen 4 Hotelübernachtungen oder Mahlzeiten, die bei einem Ausscheiden aus dem Hauptfeld aus der eigenen Tasche gezahlt werden müssten. Ich weiß nicht, wann Sie mir das Handy sperren. Meine Rückstände bei meinem Anbieter kenne ich schon längst nicht mehr!“

 All diese Gedanken sind natürlich das letzte, was du brauchen kannst, wenn es doch gilt ein Match nachhause zu spielen. Eines das dringend nötig ist, um die Kosten für die laufende Woche zu decken und welches das dringend erforderliche Selbstvertrauen für die kommenden bringen soll.

Die Blicke deiner Menschen – ein Freund und dein Trainer, den du dir mit 2 anderen Spielern teilst – wird zwar mit einem zustimmenden Klatschen wie Zuspruch erwidert und soll dir Mut machen aber es gibt Situationen im Leben, da kann dir letztlich doch keiner helfen außer du dir selbst. Das lässt sich natürlich außerhalb des Leistungssports auf den Alltag übertragen und so möchte ich klarmachen, dass es für jeden von uns wichtig ist, sich selbst ein guter, wenn nicht der beste Freund zu.

Denn nur wer sich tief im inneren selbst so richtig mag, wird in der Lage sein, den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wenn es heißt:

Nun gilt es. Nun kannst du dir nur noch selber aus der Krise helfen.

Dem Sportler aus meinem Artikel droht die Niederlage samt finanzieller Folgen. Dem Kranken droht im schlimmsten Falle der Tod, sollte er den nötigen Lebenswandel nicht vollziehen. Dem cholerischen Ehemann droht der Verlust von Frau und Familie und dem Süchtigen droht der Verlust des Arbeitsplatzes, sollte er nicht tun, was längst überflüssig ist. Die eigene Krise überwinden. Sich selbst helfen und sich als Voraussetzung dafür ein guter Freund sein.

Im Film „a beautiful Boy“ finden wir uns in einer Szene wieder, in der der schwer drogenabhängige Hauptdarsteller in einer Selbsthilfegruppe das erste Mal zur Sprache kommt.

Er berichtet von seinem Problem, den Drogen und wird prompt von den Zuhörern auf eine sehr weise Artunterbrochen. Sie machen ihm klar:

Die Drogen sind nicht dein Problem. Sie sind dein Versuch einer Lösung für dein eigentliches Problem. Hier zu sein ist der erste Schritt in die Richtung und du beginnst dir selbst zu helfen. Sei dir selbst dein bester Freund. Wenn du deine Lösung findest, brauchst du auch die Drogen nicht mehr“

 Genau diese Szene war Auslöser und bot Anlass dafür, diesen Text zu verfassen. Denn im Seelenleben ist es allein mit der Erkenntnis – einem wahrlich wichtigen und großen Schritt- oft nicht getan. Zum Erfolg und zur Lösung unserer Herausforderungen führen die nötigen Taten, die wir folgen lassen.

In heutigen Zusammenhang kann die Frage also lauten:

Wie schaffe ich es, mir künftig ein besserer Freund zu sein?

 Mit Ratschlägen lässt sich das wieder einmal nur schwer beantworten, denn jeder muss die eigenen nötigen Antworten im Leben finden und so halte ich es wie meist und möchte ein paar Frage stellen, die uns weiterhelfen können:

 

  • Welche 5 Gründe gibt es, dich selbst zu mögen?
  • Warum bezeichnen dich andere als guten Freund?
  • Welche von diesen Eigenschaften könntest du auch dir einmal angedaien lassen?
  • Wofür wirst du vermisst, wenn du mal nicht mehr da bist?
  • Welche Seiten deines Wesens sind dein Geschenk an andere?
  • Auf welche Weise gibst du der Familie, Freunden oder der Gesellschaft etwas zurück oder wie könntest du es tun?
  • Du bist Sportler und nimmst sogar an Wettkämpfen teil, was dich von der breiten Masse abhebt. Wie hast du dich in diese positive Lage gebracht? Denn Druck ist ein Privileg der erfolgreichen, das man sich verdienen muss – Billy Jean King
  • Auf welche eigene Leistung bist du so richtig stolz?
  • Warum fragen dich Menschen um Rat?
  • Wie hast du Krisen der Vergangenheit überwunden?
  • Welche deiner Eigenschaften würdest du einem Kind vererben wollen?

 

Diese Fragen und noch viele weitere, bei denen du kreativ werden darfst, sollen dich auf Dinge stoßen, die vorhanden sind, die du aber vielleicht aus den Augen verloren hast.Wir sind zwar nicht unsere Gedanken, doch bestimmen sie einen großen Teil unserer Lebensqualität.Wir sind zwar nicht unsere Gedanken und doch bestimmt das Bild von uns selbst zu großen Teilen, wie wir uns fühlen und mit welchem Selbstwert wir uns behandeln.Ich wünsche mir für dich, dass du Antworten findest, die dir bisher im Verborgenen blieben und die dir zeigen können, dass du es durchaus würdig bist, dass dir geholfen wird. Denn Gründe genug hast du nun entdeckt!

Du bist genug! Zitat unbekannt

Das gemeine Start Up oder der Teufel trägt Prada

1_Vu_KdLXV40s9Y61eIx3mLQ

Am vergangenen Wochenende hatte ich Gelegenheit die Gründerin und Designerin eines aufstrebenden Mode-Labels kennenzulernen.

In den ausführlichen Gesprächen mit ihr ist mir sehr bewusst geworden, warum das so berühmte Buzzword „Start up“ aber auch rein gar nichts mit einer gelingenden Unternehmenskultur zu haben muss.

Zunächst eine Anekdote, die nicht schöner beschreiben könnte, in welcher Welt aus jenen Buzzwords und hippen Methoden wir uns mittlerweile befinden.

Im vergangenen Jahr reiste ich im Bordrestaurant eines ICE mit einem befreundeten agile Coach auf der Strecke von Frankfurt nach Berlin. Wir kamen mit einer Dame ins Gespräch, die uns fragte, was wir beruflich machten. Nach unserer Erklärung antwortete sie:

„Ah ja, das ist ja dieses Start Up Thinking“

Wir mussten breit grinsen und uns beiden wurde deutlich, wie sehr agile, Scrum, Kanban, Start Up, Design Thinking, Lean und New Work doch auch in die Irre führen können…

Zurück zum Thema Start Up und zur erwähnten „CHEFIN“.Ich schreibe das Wort groß, denn ich hatte eher das Gefühl, mir säße eine Dompteurin von Raubtieren oder ein Feldmarschall gegenüber, der mit Ansage und Kontrolle regiert als das er befähigt, unterstützt, moderiert, vermittelt und vernetzt, einen Rahmen für gelingendes Wachstum erschafft.

Kurz: Mir saß eine Fachfrau gegenüber, die das Führen nie gelernt hat.

Auf dieses Phänomen möchte ich näher eingehen, denn es muss aus meiner Sicht in diesen sogenannten Start Ups weit verbreitet sein. Ich nenne es das

Unglück durch Beförderung

Dazu vielleicht ein Vergleich zu einem fiktiven Krankenhaus, in dem es einen leidenschaftlichen Chirurgen gibt, der es über alles liebt, Menschen zu helfen, in denen er ihnen nach Unfällen die Knochen und Verletzungen flickt. Wie so oft in der Welt der Experten passiert dann leider, was nicht funktionieren kann.

Der beste Experte wird befördert und muss plötzlich Menschen führen.

Ein Skill, den er oder sie vielleicht nie erworben hat, der ihm oder ihr eigentlich gar keine Freude macht und damit Tätigkeit, die die neue Führungskraft doch nie ausüben wollte. Und darunter haben nun alle zu leiden. Ein Team, das von jemand geführt wird, der es nicht kann und eine Führungskraft, die nicht mehr tut, was sie eigentlich liebt. Nämlich operieren.

So auch im besagten Mode Start Up. Die Gründerin, studierte Designerin, liebt es, Mode zu entwerfen und ihre kreativen Gedanken in die Realität zu bringen. Sie hasst es hingegen – so war meine Wahrnehmung – sich um die Belange von Führung und Wachstum zu kümmern. Letztlich tut sie, was ihr Bauch ihr befiehlt und das heißt Ansage und vor allem Kontrolle Kontrolle Kontrolle.

Der Zusammenhang aus Angst und Tempo

Interessant war dabei, dass sie sich darüber wunderte, dass ihre Mitarbeiter so langsam sein, brachte sie dies doch nicht in Verbindung mit der von ihr erzeugten Angst im Unternehmen, Fehler zu begehen. Sie erwähnte, dass alle ihre Arbeit doppelt und dreifach machen, sah jedoch nicht, dass sie es war, die durch ihren Kontrolldrang und nächtliche wie Reminder per Mail eben jene Angst erzeugte, die dafür sorgte, dass eben alle bloß keinen Fehler begehen wollten. Den Zusammenhang aus Angst und Tempo konnte sie vielleicht sehen als ich sie auf ein Gedankenexperiment einlud, indem ich ihr eine Frage stellte, die uns in jedweder Beziehung zwischen Menschen helfen kann:

„Ist es möglich, dass das Verhalten deiner Mitmenschen eine Reaktion auf dich ist“?

Letztlich bedingt sich Verhalten und wir alle reagieren aufeinander. So schrieb ich in meinem Artikel

https://christophbeduerftigdotcom.wordpress.com/2017/09/27/kommunikation-und-kreisverkehr/

darüber, dass es nicht so sehr interessant ist, warum wir etwas tun, sondern wie es besser wird. Das ist keine pauschale Aussage, die Anspruch auf immer währende Richtigkeit hat, sondern eine These, die sich auf die Verbesserung von Kommunikation und die lösungsorientierte Arbeit systemischer Berater Coaches und Therapeuten bezieht.

Zurück zur Chefin und einem weiteren Phänomen, dass ich hochinteressant fand.Während der Klagen über ihre Mitarbeiter hatte ich durchgängig das Gefühl, als würden diese Menschen in einem ganz anderen Unternehmen arbeiten als in jenem der Designerin. Als hätte sie gar nichts mit diesen Menschen zu tun und würde nur beurteilen, wie diese Mitarbeiter eben Fehler um Fehler machen. Mir entstand das Bild eines Lebensmittelkontrolleurs, der mal erscheint, Fehler aufzeigt und zur Kontrolle wiederkommt. Niemand also dessen Verhalten im Arbeitsalltag das Verhalten der Mitarbeiter bedingen könnte. Auch hier versuchte ich ihr den Zusammenhang aus ihrem Verhalten und dem der Mitarbeiter deutlich zu machen, indem ich ihr die Frage stellte:

„Wer hat denn die Mitarbeiter eingestellt?“

Zumindest mal hier erschaffen ja Gründer und Chefs etwas, dessen Verantwortung sie sich nicht entziehen können und so kam in mir die Frage auf, die ich zur Diskussion stellen möchte:

„Erschafft ein Gründer wirklich alles in seinem Unternehmen und ist am Ende also auch 100% für das Geschehen in seiner Firma verantwortlich?“

Rein rechtlich wurde diese Frage schon des Öfteren durch Dieselskandal und Festnahmen selbst von hochrangigen Managern mit „Ja“ beantwortet. Man könnte sagen „Dummheit im Sinne von Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Ich will aber vielmehr darauf hinaus, ob ein Unternehmer wirklich alles erschafft, was im Unternehmen vor sich geht, denn er oder sie war ja Mitarbeiter Nummer 1. Natürlich erzeugt er nicht jeden Vorgang und jedes Missgeschick. Den Rahmen und die Voraussetzung ist jedoch zweifelsohne an irgendeiner Weggabelung durch ihn oder sie entstanden.

So möchte ich einfach Werbung dafür machen, dass wir Gründer, so auch ich vor einigen Jahren, Verantwortung übernehmen und uns dieser nicht entziehen, wenn Fehler passieren. Es hat immer auch mit uns zu tun und der Fisch – ich mag eigentlich keine Phrasen – stinkt ja bekanntlich am Kopf zuerst. Denn letztlich geht es darum, und das muss auch ich immer mehr lernen, dass wir nicht andere verändern können, sondern nur wir uns selbst. Dies in der Hoffnung, dass andere uns folgen oder zumindest, mit gewünschtem Verhalten auf unsere Veränderung reagieren. So beginnt Veränderung dann doch immer bei uns selbst.

Mein Resumé

Wir agilen Coaches engagieren uns im Sinne unserer Kunden dafür, dass ihre Vorhaben gelingen. Dazu bedienen wir uns agiler Methoden und bilden uns (hoffentlich) ständig fort um unseren Wissensstand frisch zu halten und stets den Auftrag zu erfüllen, den wir erhalten haben. Mal geht es darum, Time to market zu verkürzen, mal geht es darum, das Wohl und die Gesundheit der Mitarbeiter durch „neues Arbeiten“ zu stärken, manchmal darum, die vorhandene Qualität zu steigern oder das Unternehmen durch mehr Reaktionsfähigkeit/Agilität für den Wettbewerb der Zukunft zu wappnen. In jedem Fall fließt viel Energie und Schweiß in diese Vorhaben und Transformationen und dies nie zum Selbstzweck. Am Wochenende habe ich gelernt, dass all das nichts mit einem Start UP zu tun hat und das es kein bisschen cool sein muss, in einem solchen zu arbeiten, wenn die Führungskraft – meist der Gründer – nicht führen kann oder will. Dann wird sich jenes wiederholen, was so vielen Start UPs passiert.

Spätestens beim Wachstum wird das Vorhaben scheitern.

 

 

 

Die Kraft des Zuhörens

Tonstudio

In einer Vielzahl an Workshops darf ich derzeit mit diversen Teams daran arbeiten, wie diese miteinander und ihren Kunden arbeiten wollen. Dabei entstehen in den eintägigen Runden zum Ende Regeln, Prinzipien und Werte, die eine zieldienliche Zusammenarbeit untereinander und mit dem Kunden gestalten sollen.

Nach nun 12 Workshops habe ich ca. 80 dieser sogenannten „Agreements“ kennengelernt, welche sich mal ähnelten, mal jedoch auch völlig unterschieden.

Da diese Workshops als Maßnahme des Konzern CEOs angeordnet wurden, hatte ich keine besonders große Erwartung, was die Qualität und Tiefe dieser Agreements angeht. Oft wurde ich bestätigt, einige Male jedoch auch eines Besseren belehrt.

Und darum soll es heute gehen. Nun nach 12 Terminen und 2 Monate nach Antritt meiner Coaching und Moderationsaufgabe blicke ich auf viele Erfahrungen und eine besonders wertvolle Team-Vereinbarung zurück, die aus einer Arbeitsgemeinschaft, geprägt von lauter Silberrücken, bestand. Damit meine ich solche männliche Mitarbeiter, die der festen Überzeugung sind, dass ihr Wort das schwergewichtigste und häufig auch das letzte sein sollte. Ich machte mir den Spaß und visualisierte, dass sich zum Zeitpunkt des Workshops 130 Jahre Konzernerfahrung im Raum befanden. Kein Wunder, dass sich da jeder aufbäumen wollte, allein um nicht unter die Räder zu kommen.

Mir kam das Phänomen in den Sinn, welches viele von uns kennen, die in den besten Jahren mit ihren Kumpels eine Flasche „Hochprozentigen“ samt Softgetränken kauften, um diesen sogenannten Kübel dann gemeinschaftlich zu vertilgen. Nicht selten schmiss man dafür ein zusammen viele Euros in die Runde und schnell war einem bewusst, wie viel man vom „Kelch“ abbekommen müsste, um auf einen guten „Schnitt“ zu kommen. Der Zehner, den man investiert hatte, sollte sich doch bitte lohnen. Also gab man Gas. So wie alle anderen auch, denn auch sie konnten rechnen. Mit dem Resultat, dass diese Abende ob der „Durchlaufzeit“ um bei agilen Begrifflichkeiten zu bleiben, recht schnell in einem Desaster endeten. Verlorene Erinnerungen, ein hohes Maß an Kopfschmerz und in der Rückschau wenig Freude weil wenig Erinnerung lautete nicht selten das Ergebnis.

Zurück in den Workshop

Jenes „Gas“ gaben nun auch die „Silberrücken, denen daran gelegen war, möglichst ausdrücklich, schnell und deutlich zu platzieren, was sie denn zu sagen hatten.

Je länger der Tag fort schritt, desto mehr drängte sich mir das Bild eines Reißverschlussverkehrs auf, in dem es darum geht, ja eine Lücke zu finden, um einzufädeln. Wenn manchmal auch viel zu früh. Die Frage „aus welchen Gründen hört man eigentlich zu?“ ließ mir keine Ruhe mehr.

Und mir kamen 2 Antworten in den Sinn:

  1. Ich höre zu, um ja abzupassen, wann der Gesprächspartner eine Atempause macht, damit ich dann mit meinen geistreichen Gedanken „einfädeln“ , sprich ihm ins Wort fallen kann.
  2. Ich höre zu um des Zuhörers Willen und versuche, das Gute, das Starke und das zu würdigende des Gesagten zu erkennen und wirklich zu verstehen.

Rückblickend bemerkte ich, dass meine besten Ideen eigentlich beim Zuhören entstanden sind. Selten sind sie, da will ich ehrlich sein, auf meinem puren eigenen Mist gewachsen.

Und so formulierte ich meine Wahrnehmung gegenüber der Silberrücken. Nämlich dass ich das Gefühl hatte, ich sei hier als Moderator der Regisseur einer Aufführung und dummerweise seien 8 Hauptdarsteller engagiert worden, die alle darauf drängen, auf die Bühne zu springen, um ja das meiste Scheinwerferlicht abzubekommen. Oder den meisten Applaus?

Kurz, wäre ich nicht fast 1,90 m groß und hätte ein lautes Organ oder gar ein zart besaitetes Wesen, ich wäre untergegangen. Auch diesen Eindruck sprach ich offen aus.

Einmal hörte ich mich sogar einem weiteren Unterbrecher Ende 50 sagen – es war eher ein Rufen – „halt jetzt spreche ich“. Wo war ich hier?

Ein anders Bild. Ich sah mich als Tontechniker in einem Studio, in dem alle Musiker einer Band den Anspruch hatten, die lautesten zu sein. Letztlich teilte ich auch dieses Bild und wir begonnen auf meine Intervention, denn ich war zum Glück der engagierte Coach des Tages, damit zu arbeiten.

Ich bat alle, sich einmal an das „Mischpult“ des Teams zu begeben und mir 2 Fragen zu beantworten, die wir dann in einer Feedbackrunde laut vor allen beantworten wollten.

  1. Als wie laut nimmst du Teammitglied a bis z auf einer Skala von 1 bis 10 wahr? Wo steht der Lautstärkeregler.
  2. Welche Lautstärke würdest du dir für Teammitglied a bis z wünschen, wenn du es einfach so regeln könntest. Würdest du dimmen oder hochregeln?

Beides teilten wir in der ganzen Runde und es gab erstaunlich Erkenntnisse. Einige davon hier nun zusammengefasst:

  • „Feedback tut nicht weh, sobald ein diesbezüglicher Wunsch formuliert wird. Wenn sich ein anderer von mir wünscht, ich solle mich mehr oder weniger beteiligen, so mag das auch mal kritisch sein aber am Ende bleibt der Schmerz aus.
  • „Ich nehme mich ganz anders wahr als es die anderen tun. Es gibt hierbei kein Wahr oder Unwahr sondern nur Versionen/Wahrnehmungen. Sprich, wie so oft keine objektive Wahrheit“. Die Gehörte Rückmeldung kann nur helfen und zum Reflektieren anregen.
  • „Ein Kollege wurde vom Chef in der Runde ganz anders wahrgenommen als von allen anderen.“ Das war besonders interessant, denn es belegte für mich, was ich in einem Vortrag eines Hirnforschers gelernt habe. „Ist der Chef im Raum -so belegen Hirnscans- steht unser Gehirn unter Stress. Daraufhin verhalten sich Menschen anders als ohne die Anwesenheit des Chefs“ Dies erklärte mir auf ganz logische Weise, warum der Chef eben jenen Kollegen als leise empfand, der von den anderen doch als so laut empfunden wurde. Der Chef konnte ja nicht wahrnehmen was passiert, wenn er eben fehlte.

Letztere Tatsache untermauert ein Erfahrung aus meiner Coachingausbildung:

Ein Mensch ist nichts per se. Er verhält sich. Und eben jenes Verhalten ist kontextabhängig. Mal laut mal leise, mal geduldig, mal ungeduldig. Das zu wissen, entspannt aus meiner Sicht.

Als wir nun in der Runde reflektierten, was wir soeben erstaunliches erfahren und erlebt hatten, entstand die so zieldienliche Teamvereinbarung, von der ich eingangs sprach.

Die Priorität unsere Kommunikation liegt im Zuhören, nicht im Reden. Mit dieser Haltung gestalten wir unsere Diskussionskultur.

Fragen also auch wir uns, bevor wir etwas hinaus posaunen.

  • Ist es wirklich wichtig?
  • Ist es interessant oder relevant?
  • Muss es sein?

 

 

You give them the best of you, but we get the rest of you!

Ü

Dieses Zitat stammt aus einem hochkarätig besetzten Hollywood-Streifen, in dem sich eine Ehefrau bei ihrem Mann beschwert, dass die Kinder quasi ohne Vater aufwachsen und auch sie ihren Mann im Grunde nie zu Gesicht bekommt, da er sich übermäßig viel um seine Karriere kümmert.

Im gerade erscheinenden Film „The Mule“ beschreibt es Clint Eastwood als verlassener Ehemann, dessen Familie ihn aufgrund seiner Arbeitssucht verstoßen hat, so:

„Ich habe immer versucht, da draußen jemand zu sein, während ich zuhause als Vater ein Versager war“.

Ich denke, so oder ähnlich geht es in Familien zu, wobei viele Männer ihr Verhalten damit rechtfertigen, dass sie doch auf diese Weise für die Familie da seien, indem sie finanziell für diese sorgen, und das teils wirklich mehr als gut.

Auch ein Freund entgegnete mir nach der Geburt seine Tochter so, dass er nun eine besondere Verantwortung spüre und daher in das Management Programm seines Konzern einsteigen wolle, um noch mehr Geld zu verdienen. Künftig würden also Überstunden zur Tagesordnung gehören, nicht mehr abgebummelt werden können und die 60 Stunden Woche zum Standard werden.

„Was denn seine Tochter (1 Jahr alt) von seinem Konto hätte, während er abwesend sei“, fragte ich ihn. Er wusste keine Antwort und ich hoffe bis heute, dass ihn diese Tatsache zum Nachdenken anregte.

Denn wie es Steve Jobs am Ende seines Lebens sagte, welcher in seiner Biografie als familienfeindlich galt und seine Tochter von Sozialhilfe leben ließ:

„Unser Vermögen können wir am Ende nicht mit ins Grab nehmen. Jedoch die Erinnerungen an die Zeit mit unseren lieben Menschen sowie an Momente der Freundschaft, Zuneigung und des Zusammenseins.“

Die Idee zu meinem heutigen Artikel lieferte mir ein lieber Coachee, der mir berichtete, dass er sein Jahren sein Privatleben wegschmeiße, indem er sich immer mehr zurückziehe. Erste Anzeichen einer depressiven Erkrankung machen sich bemerkbar. Überforderung und und Isolation, Tablettennahme und Ängste nannte er sein eigen.

Wir führten darauf ein ziemlich intensives Gespräch, indem ich ihn fragte, wieso er bei der Arbeit alles gab und sich im Privaten schon von der Beantwortung eines Briefes überfordert sah. Seine Antwort: „Hier bei der Arbeit muss ich ja funktionieren“

Dies machte mich sehr betroffen und ich fragte mich, wie lange er das wohl noch durchhalte. Zum Glück versicherte er mir, dass er schon in Beratung sei. So hätte ich das wohl nicht stehen lassen können.

In unserem Gespräch tauschten wir uns  über Fragen aus, die ich hier und heute teilen möchte:

  • Wo tankst du Energie?
  • Wie belohnst du dich auch im Alltag ohne erst eine Riesenleistung gebracht zu haben?
  • Welche Menschen geben die Kraft und bekommst du sie häufig genug zu Gesicht?
  • Wie sehr bemühst du dich um wertvolle Zeit mit ihnen?
  • Wie sehr achtest du auf dich und deine Grenzen?
  • Wie steht es um deine Gesundheit und wie sehr achtest du auf die Zeichen deines Körpers und deiner Psyche?
  • Wie gut steht es um d/einen erholsamen Schlaf?
  • Wenn dein Geld bzw Bankkonto sprechen könnte und über Eure Beziehung zueinander berichten könnte…Was würde es erzählen?

Sind wir mal ehrlich, das Leben ist im engsten Sinne lebensgefährlich

Happiniess

Den heutigen Artikel möchte ich ein paar tollen Menschen widmen, die ich in vorweihnachtlicher Stimmung und nach über 8 Jahren in einem Hamburger Restaurant wiedersehen durfte.

Meinem alten Fielmann Team.

Vor einigen Monaten trat ich mit einer lieben Kollegen aus der Vergangenheit in Kontakt und es dauerte nicht lang, bis bei mir die Frage aufkeimte:

..wen möchtest du eigentlich gern mal wiedersehen?

 Da besagte Kollegin und ich einen besonders schönen Austausch hatten, habe ich mich direkt dazu entschlossen, in einer kleinen Umfrage einen Termin zu finden, an dem wir uns im vertrauten Rahmen – Hamburg Eimsbüttel – zu einem Wiedersehen treffen könnten.

Nun wo der Abend vorbei ist, bin ich sehr bewegt, denn er hat meine Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen. So schön war es doch zu sehen, wie sich manche weiterentwickelt haben oder dass es ihnen einfach gut geht. Der Abend, bestehend aus 11 Kollegen war herzerwärmend. Viel haben wir über Anekdoten und verrückte Kunden der Vergangenheit gelacht.

Dafür möchte ich Danke sagen, in der Hoffnung, dass wir vielleicht im Sommer ein weiteres Wiedersehen organisieren können. Eines hat mich sehr beeindruckt. Das sofort wieder auftretende Teamgefühl und die Gewissheit, dass sich einige wirklich über hunderte Kilometer auf den Weg gemacht haben, um meiner „Einladung“ zu folgen. Was Freiwilligkeit doch so bewirken kann, dachte ich mir.

Und dieses erfüllende Gefühl möchte ich nun nutzen, denn es hat mich einmal mehr gezeigt, was das System F…, aus dem wir alle stammen, mit den Menschen macht. So ist es mir Bedürfnis, wie oben beschrieben, diesen Artikel all denen zu widmen, die sich noch im System befinden und vielleicht einfach nicht wissen, was danach kommen könnte, so sie sich denn lösen könnten.

Sähe die richtigen Fragen und du wirst die nötigen Antworten für deine Veränderung ernten!

Mit diesem Satz möchte ich das beginnen, was es aus meiner Sicht braucht, um Montage mit Dankbarkeit zu sehen statt mit Frust und Furcht vor der neuen Woche. Denn nicht Montage sind scheiße, sondern Jobs.

Ich habe in den vergangenen Jahren nach meinem Ausstieg  2011 am eigenen Leibe lernen dürfen, dass es einfach die richtigen Fragen braucht im Leben. Im Idealfall braucht die Antwort ein wenig, denn dann sind wir im Begriff etwas Neues über uns zu lernen. Kommt die Antwort sofort, ist das schön, birgt jedoch unter Umständen nichts Neues. Bemerken wir jedoch, dass uns keine Antwort kommt, so darf ich vergewissern, dass unser Unterbewusstsein die Frage dennoch und sehr wohl verarbeiten und uns die Antwort senden wird.

Im Artikel möchte ich heute also ganz zum Schluss jene Fragen stellen, die eben auch mir geholfen haben, um mich und meinen Kern um Wünsche, Träume, Antreiber und eben jene in mir liegenden Ressourcen kennenzulernen, die dazu nötig waren, um das zu leben, was ich heute meinen verwirklichten Traum nenne.

Ein Arbeitsleben, wo es eben um meine Träume und Ziele geht und nicht ums Aufhören und das Wochenende. Denn wenn wir gefunden haben, was uns erfüllt, so geht es nicht mehr ums Aufhören sondern ums Tun. Nur so konnte beispielsweise mein Buch entstehen. Es ging immer um das Schreiben, das Buch war nur das Ergebnis.  Was ich sagen möchte ist im Grunde das, was der Sänger Wolfgang Niedeken nach einem schweren Schlaganfall einst zu seiner Tochter sagte:

 „Du musst die Energie aus dem ziehen, was du tust. Nicht aus dem, was du dafür bekommst“

Berühmtheiten wie Karl Lagerfeld bestätigen dies mit einer Aussage, die da heißt

„wer tut, was er liebt, der arbeitet nicht mehr“

 Lasst uns also alle zu denen werden, die für ein Ziel und einen Traum arbeiten, anstatt für den eines anderen. Lasst uns Erfüllung finden, indem was wir tun und wir brauchen keine Wecker mehr, die uns aus dem Bett zwingen.

Damit dies gelingen kann, ist es nötig, bestimmte Dinge über sich zu wissen und herauszufinden. Und so möchte ich nun zu einigen Fragen überleiten , die Euch hoffentlich einen Schritt weiterbringen in Richtung „berufliches Glück“.

Glück, und dieses Wissen kann sehr entspannen, ist aus Sicht der Wissenschaft der positiven Psychologie im Übrigen nicht mehr und nicht weniger als die Anwesenheit von drei Dingen:

Wohlbefinden

Zuversicht

Zufriedenheit

Frage Dich doch einmal, und damit geht die Fragerunde los:

  • Fühle ich Wohlbefinden, Zuversicht und Zufriedenheit? Wenn ja, bist du aus Sicht der Psychologie glücklich J

Nun aber ans Eingemachte. Finde einmal heraus:

 

  • Wenn du zu müde für alles andere bist, wofür ist dennoch Kraft und Lust?
  • Wenn du dein Geld wie deine Zeit behandeln würdest. Wo würdest du finanziell stehen?
  • Wenn du einmal in den Ruhestand gehst, was soll dein Geschenk an deine Mitmenschen gewesen sein?
  • Wann warst du beruflich am zufriedensten? Was war da wie?
  • Worüber könntest du Tag und Nacht reden?
  • Welche sind die Charaktereigenschaften, die du an dir schätzt?
  • Wofür hast du immer besonders viel Energie gehabt?
  • Was würdest du tun, wenn es keine Angst gäbe?
  • Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle mehr spielen würde?
  • Welches Ehrenamt würde dich reizen, so du dir eins aussuchen wolltest?
  • Zu welchen Tages- (oder Nacht-) zeiten verspürst du am meisten Energie und Tatkraft wie Kreativität?
  • Wie viel Zeit hast du, mal rein geschätzt, noch in der Arbeitswelt und wem möchtest du sie künftig eigentlich widmen?
  • Was möchtest du in der Lebensrückschau am Ende mal über dein Berufsleben sage können?
  • Was würde der/die 5jährige in dir (dein inneres Kind) zu deinem Job heute sagen?
  • Wozu bist du dir selbst verpflichtet?
  • Ist es möglich, dass jemand nicht möchte, dass du beruflich zufrieden wirst?
  • Warum solltest du dein „Problem“ – falls du eines hast – behalten?
  • Wie wichtig findest du den Zusammenhang aus beruflicher Zufriedenheit und seelischer Gesundheit?

Ich möchte dich heute dazu einladen, dass du dir einmal genügend Zeit nimmst, Stift und Papier greifst, eine schöne Musik auflegst, um bei besinnlicher Stimmung mit einem schönen Getränk über meine Fragen nachzudenken und deine persönlichen Antworten aufzuschreiben.

Auch lade ich dich dazu ein, deine Fragen – so du denn möchtest – einmal in Ruhe mit mir zu diskutieren, wenn sie denn etwas in die ausgelöst haben, was vielleicht einen neuen Schritt erfordert oder möglich macht.

Schließen möchte ich heute mit 2 Zitaten der prominenten Herren Buffet und Reeves, die da sagten:

Schöne Taten aufschieben ist wie Sex fürs Alter aufsparen. Niemand von uns wird den Planeten lebendig verlassen. Überlege dir also gut, wem du deine Zeit schenkst, denn das Leben ist lebensgefährlich und wie es endet, wissen wir alle.

Auf dem Jakobsweg begegnen sich 2 Wanderer. Der eine fröhlich pfeifend. Der andere ächtzend und schwitzend unter der schweren Last seines gigantischen Rucksacks. „Was trägst du denn da so schwer in deinem unglaublich großen Rucksack?“ fragt der fröhliche Wanderer den anderen. „Meine Vergangenheit“ ächzt dieser und kann vor Atemnot kaum sprechen. Der pfeifende Wanderer kommt aus dem Staunen nicht mehr raus und ihm bleibt nur eine Frage:

Wäre es nicht an der Zeit, deinen Rucksack abzusetzen?“

 Von Herzen alles Liebe. Euer Christoph

 

Vorsicht Glaubenssatz – Wie gut gemeintes in unserer Kindheit zur Blockade für Glück wie Erfolg werden kann und wie wir diese lösen…

AAKid

Ich weiß nicht, wie viele Eltern und Großeltern uns Zitate und Lebensweisheiten eingebleut haben als wir kleine und besonders empfänglich waren.
Manche oder alle dieser Glaubenssätze, und so möchte ich sie ab nun nennen, haben viel mit uns gemacht. Ein Beispiel dafür möchte ich heute besonders beleuchten und es soll durch meinen Beitrag offensichtlich werden, warum es Sinn macht, sich dieser Glaubenssätze bewusst zu werden. Denn auch wenn wir über viele Schmunzeln. Oft sind sie doch zum inneren Betriebssystem geworden. Unbewusst und fest verankert bestimmen sie unser Verhalten, obwohl wir uns dieser Programmierung gar nicht bewusst sind.

Ein Beispiel:

Matthias wuchs bei seinen Großeltern auf, da seine Eltern sich früh trennten, sein Vater ins Ausland ging, die Familie allein ließ und die Mutter leider viel zu früh verstarb. Nun war es so, dass Matthias Erziehungsberechtigte, seine Großeltern im Krieg lebten und in schlimmen Zeiten nur knapp dem Hungertod entgangen sind. Man kann nur nachvollziehen, dass diese Erfahrungen sie so sehr geprägt haben, dass sie eine ganz besondere Beziehung zum Thema „Essen und Lebensmittel“ entwickelt haben. Und so vermitteln sie es nach bestem Wissen und Gewissen ihrem Enkel Matthias. Sätze wie..

„Iss auf, wer weiß, wann es wieder etwas gibt“ oder „lieber mit den Magen verrenken als dem Wirt was schenken“

werden fortan zum festen Bestandteil einer jeden Mahlzeit, die die Drei gemeinsam einnehmen. So lernt Matthias Tag für Tag, dass aufgegessen werden muss. Komme, was da wolle. Ob hungrig oder nicht. Ohne es zu ahnen verliert Matthias so immer mehr eine funktionierende Wahrnehmung für die Gefühle Hunger und Satt. Viel zu stark ist der aus der Kindheit stammende Befehl „iss auf“ und steuert Matthias Essverhalten mehr und mehr auf ungesunde Weise.

Nicht lange lässt das Übergewicht auf sich warten und völlig ohne es zu bemerken, werden die oben genannten Glaubenssätze zum immer laufenden Betriebssystem. Aufessen um jeden Preis, wann immer es etwas gibt, bestimmt Matthias Leben fortan. Das entstandene Übergewicht wird zum Problem. Zwar ist Matthias keiner von den Menschen, die unter Bluthochdruck und Gelenkschmerzen leiden (noch nicht). Aber ein ganz anderes Problem ergibt sich für ihn. Matthias hat es schwer, Frauen kennenzulernen, geschweige denn anzusprechen. Eine Beziehung ist für ihn auch Anfang 20 noch in weiter Ferne. Alle Versuche abzunehmen schlagen Fehl. Was ihm nicht bewusst ist. Sein Betriebsprogramm, welches ihm nach wie vor und immer befiehlt zu essen und vor allem aufzuessen. An dieser Stelle möchte ich den Fortgang dieser Geschichte Ihrer Fantasie überlassen und in den „Lösungsmodus“ wechseln.

Fokussieren möchte ich mich dabei als systemischer Coach natürlich auf das Finden von Lösungen. Denn darauf fokussieren wir uns in der systemischen Arbeit! Wir beleuchten die Zukunft also das..

  • wie soll es künftig sein?
  • wie sieht es ohne das Problem aus?
  • wie kommen wir dahin?

Steve de Shazer, ein großer Vordenker in Sachen systemischer Beratung prägte den Satz:

Der Lösung ist egal, woher das Problem kommt!

Und so halten wir es dann auch mit unserer Arbeitshaltung. Wir halten uns nicht mit Schuld und Ursachen auf, sondern mit Lösungen, der Zukunft und Wegen dort hin.

Dennoch, um die Brücke zurück zu unseren Glaubenssätzen zu schlagen, ist es sehr hilfreich, sich seinen inneren Überzeugungen bewusst zu werden. Beeinflußen sie unser Tun, Denken und Verhalten doch so sehr.

Zurück zu Matthias, um im Lösungsmodus den weiteren Verlauf der Dinge zu verdeutlichen. Da Matthias nicht ganz frei erfunden ist, möchte ich berichten, was für Ihn zur Lösung wurde. Durch Umwege und Zufälle gelang Matthias eines Tages zu mir, seinem systemischen Coach. Sein Thema: Die Gewichtsproblematik. Ohne in Stunde Eins zu wissen, denn ich fragte ja auch nicht danach, woher das Problem kommt, haben wir uns direkt damit auseinander gesetzt, was anders wäre, wenn sein Problem gelöst sei. Nach ausführlich erarbeitetem Ziel, einem Leben mit Normalgewicht und dem dadurch gefundenen Selbstvertrauen, auf Frauen zuzugehen, widmeten wir uns im Anschluss sofort dem Weg zur Lösung. Dabei möchte ich besonders auf eine Frage eingehen, die für Matthias und mich den Knoten löste. Die Frage lautete:

Wenn dein Übergewicht sprechen könnte, was würde es berichten?

Hierauf folgte, wie so oft im Coaching, Schweigen. Hielt ich dies vor meiner systemischen Ausbildung noch für das Ergebnis einer schlechten Frage, so weiß ich heute mehr darüber und deute das Nichtwissen einer Antwort so, dass der Klient im Begriff ist, etwas neues über sich zu entdecken und zu lernen. Mittlerweile darf ich ein Schweigen auf eine systemische Frage also mit Freude erleben. Gerne vergleiche ich Coachinginterventionen mit dem Spiel „Schiffe versenken“. Man probiert viel, vieles geht daneben und manches ist eben ein Volltreffer. Auf diese Momente steuern wir in der Beratung ohne Ratschlag – so lässt sich Coaching ideal beschreiben – hin.

Und eben diesen Volltreffer konnten wir bei Matthias mit der eben genannten Frage landen. Umso erstaunlicher war seine Antwort und damit seine gewonnene Selbsterkenntnis. Diese war so beeindruckend und erklärend zugleich, dass sich eine weitere sehr hilfreiche zugleich erschloss:

Was ist das Gute am Problem und welchen Grund kann es geben, es zu behalten? Was tut es FÜR Dich?

Matthias berichtete mir nämlich, dass sein Übergewicht ihn vor schmerzlichen Erfahrungen schütze. Dazu muss man sagen, dass der junge Mann Mitte 30 ohnehin sehr reflektiert war. Er berichtete mir auf mein Nachfragen, wie er das meine, dass seine Erinnerungen an den Verlust der Mutter im Vorschulalter so schmerzhaft waren, dass er sich als Kind schwor, diese Gefühle nie wieder erleben zu wollen. Ein Teil diese Lösung brachte nur eben auch die längst verdrängte Entscheidung mit sich, sich nicht auf Frauen einzulassen. Denn eine weitere Trennung von einer solchen würde Matthias -wie damals- in schier unüberwindbare Gefühlsnot bringen. Und nun schließt sich der Kreis. Auf der Verhaltensebene war das Übergewicht eine ganz pragmatische Lösung, um sich Frauen im wahrsten Sinne „vom Leib“ zu halten. Dass die Ursache in Teilen bei seinen Großeltern lag, war eine Erkenntnis, die wir nebenbei und durch andere Übungen aufdeckten, aber wie erwähnt, sind diese wichtige Erkenntnisse und erleichtern sicher die Lösung. Sie sind jedoch nicht von all zu großer Bedeutung.

Wie dieses Beispiel zeigt, sind unsere Themen sehr verzahnt und vieles hängt mit vielem zusammen. Doch systemische Interventionen, wie eben beschriebene Fragen, können Licht ins Dunkel bringen und ganz lösungsorientiert einen alten Knoten zum erweichen und letztlich zur Lösung bringen.

In Matthias Fall bedeutete dies, wie so oft, dass sich hinter dem eigentlich gedachten Thema – dem Übergewicht – noch viel mehr verbarg, was es anzugehen gilt. Und das ist etwas, dass wir Coaches und Berater sehr häufig erleben. Der Kern der Sache liegt oft tiefer begraben und zeigt sich nicht in Sitzung 1.

Da ich bekennender Fan von systemischer Arbeit und Interventionen bin, möchte ich anschließend und wie so oft, ein paar Fragen stellen, die auch Sie vielleicht auf einen neuen Weg bringen können. Zu diesen hat mich eine Klientin inspiriert, die mir zeigte, wie wichtig es ist, sich klar zu werden, wie einfach Entscheidungen manchmal sind, so man nur eine neue Sicht auf die Dinge bekommt. Sie berichtete von einem 2 tägigen Seminar, dass sehr teuer war und nach Tag 1 hat sie enttäuscht beschlossen, abzureisen. Sie erklärte mir, dass wahrscheinlich sehr viele Menschen, wie in einem schlechten Kinofilm, bis zum Ende geblieben wären aber ihr wurde klar,

dein Geld haben sie eh schon. Sollen sie nun auch noch Deine Zeit bekommen?

Mich hat das so positiv beeindruckt, dass sich meine abschließenden Fragen heute um das Thema „Zeit“ und wie wir damit umgehen, drehen sollen.

Los gehts:

  • Wenn du dein Geld wie deine Zeit behandeln würdest. Wie wäre es um dein Bankkonto bestellt?
  • Wenn wir geboren werden, haben wir alle ein Konto voller Zeit. Den Kontostand kennen wir nicht. Fakt ist nur, wir müssen alles ausgeben. Wem oder was schenkst du deine Zeit? Bedenke dabei. Niemand von uns wird den Planeten lebendig verlassen.
  • Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

Einen schönen Start in die Woche!